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Santiago
Tod einer Unbelehrbaren

Santiago. Margot Honecker ist gestorben. Ihr Weltbild verteidigte sie bis zum Schluss.

De Chile (RP) An ihrem Weltbild hatte sich bis zum Schluss nichts geändert. Sie bereue nichts, machte Margot Honecker deutlich, die frühere "First Lady" und Volksbildungsministerin der DDR, 2012 in einem Interview. Sie sehe auch keinen Anlass, sich für die Stasi zu entschuldigen. Zu den an der innerdeutschen Grenze erschossenen Flüchtlingen fiel Honecker nur ein, es sei eben dumm gewesen, über die Mauer zu klettern. Die Greisin wohnte da schon lange zurückgezogen in einem grünen Vorort der chilenischen Hauptstadt Santiago, als Rentenempfängerin der Bundesrepublik Deutschland. 1992 war sie hierhergekommen, wo die gemeinsame Tochter Sonja lebte. Ihr todkranker Mann Erich, der frühere Staatsratschef der DDR, folgte 1993, gut ein Jahr vor seinem Tod.

Jetzt ist Margot Honecker nach Angaben ihres Umfelds gestorben, mit 89 Jahren, an Krebs. Sie wurde 1927 als Tochter eines Schusters und einer Fabrikarbeiterin geboren, absolvierte eine kaufmännische Ausbildung und arbeitete dann als Telefonistin. 1945 trat die Frau mit dem charakteristischen Blauton in den Haaren in die KPD ein und machte schnell Karriere. So wurde sie bereits mit 22 Jahren Mitglied in der DDR-Volkskammer. Erich Honecker lernte Margot Feist kennen, als er Chef der Jugendorganisation FDJ war. Er war damals noch verheiratet. Die gemeinsame Tochter Sonja kam 1952 zur Welt, ein Jahr später heirateten beide. Rund 26 Jahre war Margot Honecker Chefin des Volksbildungsministeriums, von 1963 bis zu ihrem Rücktritt im Herbst 1989. Sie galt als dogmatisch - und vielen als heimliche Machthaberin.

Quelle: RP
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