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Berlin
Tod von Margot Honecker löst neue DDR-Debatte aus

Berlin. Der Tod von Margot Honecker hat eine neue Debatte über die DDR-Geschichte ausgelöst. Die am Freitag im Alter von 89 Jahren gestorbene Frau des DDR-Staats- und Parteichefs Erich Honecker (1912-1994) wurde am Wochenende auf dem Friedhof "Parque del Recuerdo" in Santiago de Chile beigesetzt. In Chile hatte Honecker mit ihrem Mann nach der Wende den Lebensabend verbracht.

In der "Bild am Sonntag" forderte der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes, Roland Jahn, eine Aufarbeitung der Taten Margot Honeckers. Die ehemalige DDR-Ministerin für Volksbildung habe "jahrelang gnadenlos sozialistische Ideologie an Schulen und Kindergärten der DDR durchgesetzt", so Jahn. "Generationen von jungen Menschen mussten sich ein- und unterordnen - teilweise wurden sie sogar gebrochen." Zuvor war der Historiker Hubertus Knabe mit Honecker scharf ins Gericht gegangen. Sie sei eine "böse, verstockte Frau" gewesen und habe ihr Tun nie kritisch reflektiert, so der Leiter der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen zur "Mitteldeutschen Zeitung". Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft, Dieter Dombrowski. Honecker habe "bis zum Schluss unter Ihresgleichen und unter einer Sozialismus-Scheinweltglocke" gelebt. Das Interesse an einer Aufarbeitung der DDR-Geschichte bleibt hoch. Im April seien laut Jahn wieder 5000 Anträge auf persönliche Akteneinsicht gestellt worden.

(kna)
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