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Berlin
Trittin will Reichen ans Vermögen

Berlin. Der Ex-Umweltminister schwört die Grünen auf die Vermögensteuer ein.

Der frühere Bundesumweltminister und ehemalige Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin hat seine Partei aufgefordert, auf dem heute beginnenden Bundesparteitag eine Vermögensteuer auf Basis eines Vorschlags der Fraktionsspitzen zu beschließen. "Ich unterstütze den Vorschlag der Fraktionsspitzen", sagte Trittin unserer Zeitung. "Wir wollen eine zielgenaue Vermögensteuer, die weniger als ein Prozent der Steuerzahler betrifft", sagte er. "Bei uns geistert zu viel Kapital herum, das in Beton gebunkert wird, weil es keine Anlagemöglichkeit findet." Milliarden Euro würden nicht reinvestiert, sondern flössen auf private Konten oder in den Finanzmarkt. "Da ist viel Luft für eine Vermögensteuer."

Die Vermögensteuer ist das entscheidende Thema des Parteitags und Symbol des Richtungsstreits der Grünen ein Jahr vor der Bundestagswahl. Der linke Flügel will Millionäre deutlich stärker besteuern. Der Realo-Flügel hält eine Vermögensteuer dagegen für kaum verfassungsfest und wirtschaftsschädlich.

"Deutschland muss aufhören, Steueroase für Vermögende zu sein", sagte der Parteilinke Trittin. "Wir besteuern Vermögen im Schnitt nicht mal halb so hoch wie der Rest der Industriestaaten." Das wollten die Grünen ändern, "weil wir nicht zugucken wollen, wie sich bei uns eine Parallelgesellschaft von Superreichen bildet".

Trittin forderte seine Partei zudem auf, Daimler-Chef Dieter Zetsche, der am Sonntag Gast auf dem Parteitag sein wird, deutlich zu machen, dass die Grünen für den raschen Komplettumstieg vom Verbrennungs- zum Elektromotor eintreten. "Wir sollten schon klar machen, dass wir ihn eingeladen haben, um ihm deutlich zu machen, dass die deutsche Automobilindustrie vom Weg in den Untergang abgehalten werden muss", sagte Trittin mit Blick auf den Rückstand bei der Elektromobilität.

(mar)
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