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Washington
Trump setzt auf Putin

Washington. Hillary Clinton und Donald Trump haben das erste Mal auf derselben Bühne gestanden - wenn auch nicht gleichzeitig. Während Trump ein Loblied auf Putin sang, sprach Clinton über eine Fehlentscheidung in ihrer politischen Laufbahn. Von Frank Herrmann

Im Rennen ums Weiße Haus geht es wieder einmal um Wladimir Putin. Eines kristallisiert sich immer deutlicher heraus: Das Verhältnis, das der nächste Präsident beziehungsweise die nächste Präsidentin der USA zu ihrem Amtskollegen in Moskau anstreben, dürfte den außenpolitischen Diskurs auch auf der Zielgeraden des Wahlkampfs prägen. Dass Donald Trump große Stücke auf den Mann im Kreml hält, machte er während eines Fernsehforums in der Nacht zum Donnerstag ein weiteres Mal klar. In einem ersten, wenn auch indirekten TV-Duell mit Hillary Clinton fand er für den russischen Staatschef nichts als lobende Worte.

Wenn Putin etwas Nettes über ihn sage, dann sage auch er etwas Nettes über Putin, antwortet Trump auf die Moderatorenfrage, wie er sich die Beziehungen zu Russland vorstelle. Putin erfreue sich daheim einer Zustimmungsrate von 82 Prozent, er habe sein Land großartig unter Kontrolle: "Er ist ein Anführer, viel mehr, als unser Präsident je ein Anführer gewesen ist". Eine Allianz mit Moskau, schiebt der Tycoon hinterher, würde zweifellos helfen, den "Islamischen Staat" in die Knie zu zwingen: "Wäre es nicht wunderbar, wenn wir kooperieren und den IS krankenhausreif schlagen könnten?"

Die Kulisse: ein ausrangierter Flugzeugträger namens Intrepid, an den Landungsbrücken Manhattans umfunktioniert zu einem Museum. Das Publikum der beiden: Veteranen der Kriege im Irak und in Afghanistan. Veranstaltet vom Sender NBC, dient das "Commander-in-Chief"-Forum als Generalprobe für die erste Fernsehdebatte, bei der die beiden Kandidaten am 26. September vor den Toren New Yorks aufeinandertreffen werden. Diesmal ist es eindeutig Trump, der die Schlagzeilen bestimmt. Er tut es, indem er, wie schon so oft zuvor, ebenso düstere wie vage Andeutungen streut, ohne Beweise zu liefern.

Da sind die ersten Geheimdienst-Briefings, bei denen nun auch ihm vertrauliche Informationen präsentiert wurden. "Es gab eine Sache, die mich schockierte", sagt der Hochhausmagnat und spricht von einer Entscheidung Obamas und Clintons, die sich als "totales Desaster" entpuppt habe. Obama, beklagt er, befolge den Rat dieser Experten nicht, und die Experten, das habe er gemerkt, seien nicht froh darüber. Wie er zu dieser Einschätzung gelange? Er sei ziemlich gut darin, Körpersprache zu lesen, antwortet Trump. Ähnlich vernichtend, und zugleich nebulös, klingt seine Kritik, dass Amerikas Generäle "unter Obama/Clinton" zu Schutt und Asche reduziert worden seien. Damit erweckt er nicht zuletzt den Anschein, als räume er dem Militär den Vorrang vor der Politik ein. Worauf ihm Verfassungsrechtler kurz darauf das politische System der USA erläutern: In diesem System hätten Generäle schon immer den Vorgaben von Zivilisten folgen müssen. Klar ist jedenfalls, dass der Milliardär die Rüstungsausgaben massiv zu erhöhen gedenkt, sollte er ins Weiße Haus gewählt werden. Nach Plänen, die er am Mittwoch in Philadelphia vorstellte, soll allein die Marineinfanterie, Amerikas schnelle Eingreiftruppe, von derzeit 23 auf 36 Bataillone ausgebaut werden.

Bei Hillary Clinton dreht sich auf dem Flugzeugträger alles darum, ob sie leichtfertig dazu neige, das Land die Rolle des Weltpolizisten spielen zu lassen. Ob ihr Votum für den Krieg im Irak ein Vorbote sei für das, was an interventionistischen Abenteuern noch folgen könnte.

2002 hatte die Senatorin Clinton für eine Resolution gestimmt, die George W. Bush zum Einmarsch im Zweistromland ermächtigte. Die Entscheidung zur Invasion sei ein Fehler gewesen, sagt sie heute, und Bush die Vollmacht dafür zu geben "war mein eigener Fehler". Bekanntlich lerne man aus Irrtümern, weshalb eine Präsidentin Clinton im Kampf gegen den IS nicht noch einmal Bodentruppen in den Nahen Osten entsenden würde, weder in den Irak noch nach Syrien. Was sie allerdings intensivieren würde, wäre die Jagd nach Abu Bakr al-Baghdadi, dem Anführer der Terrormiliz. "Es wird unsere Sinne schärfen, so wie damals, als wir Osama Bin Laden gejagt haben."

Quelle: RP
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