| 10.34 Uhr

Washington
Trumps nächstes Opfer

Washington. Donald Trump und sein Außenminister waren nicht mehr auf einer politischen Linie. Es war eine Frage der Zeit, bis Rex Tillerson gehen musste. Jetzt übernimmt der CIA-Chef. Von Frank Herrmann

Wenn es ein Omen war, dann kein gutes. Rex Tillerson blieb zwar in Afrika, statt seine Reise sofort abzubrechen, doch am Samstag ließ er einen Sprecher mitteilen, dass er sich nicht wohl fühle und in Nairobi einen Tag Pause einlege, ohne offizielles Programm. Ein Schwächeanfall eines Außenministers, dessen berufliches Schicksal seit Monaten am seidenen Faden hängt - in Washington bringt so etwas fast zwangsläufig die Gerüchteküche zum Brodeln. Gestern bestätigte Donald Trump, dass es sich diesmal um mehr handelte als um Spekulationen. CIA-Direktor Mike Pompeo, schrieb er in einem Tweet, werde der neue Außenminister sein: "Er wird einen fantastischen Job machen! Dank an Rex Tillerson für seinen Dienst."

Mit Tillerson geht ein Praktiker. Ein Schwergewicht der Geschäftswelt, das Trump auch deshalb ins Kabinett holte, weil es zu seiner Philosophie passte, nach der ein Geschäftsmann mehr fertigbringt als ein Politiker. Als Konzernchef von Exxon Mobil war der Texaner mit der Reibeisenstimme zwar gewiss kein Neuling auf dem Feld der Diplomatie. Nur hatte er bis dahin die engeren Interessen einer Ölgesellschaft vertreten, nicht die deutlich breiteren einer Supermacht. Seine Gesprächspartner waren die Staats- und Regierungschefs von Ländern, in denen sich Exxon Förderrechte sichern wollte. Zu Wladimir Putin hatte er einen ebenso guten Draht wie zum Königshaus Saudi-Arabiens. Kurzum, Tillerson stand für kühle Realpolitik, bei der die Menschenrechte eher klein geschrieben wurden. Das Image des Managers, es schien zu passen zu Trumps Ansatz, Amerikas Rolle in der Welt auf ein Minimum zu begrenzen.

Mit dem Vorgesetzten im Oval Office ist er dann allerdings nie warm geworden. Die Chemie stimme nicht, wussten Insider schon vor Monaten zu berichten. Trumps egomanische Sprunghaftigkeit ging ihm offenbar schwer auf die Nerven, dem stoischen Ölmann, der neulich im Fernsehmagazin "60 Minutes" durch die Blume Kritik übte. In der texanischen Kultur, aus der er stamme, sei ein Handschlag etwas, worauf man sich unbedingt verlassen könne.

Dass es indes in erster Linie inhaltliche Differenzen waren, die Tillersons Entlassung besiegelten, hat der Präsident selber nach seiner Entscheidung deutlich gemacht. "Wir haben einfach nicht dasselbe gedacht", sagte er. "Wenn Sie sich den Iran-Deal anschauen: Ich glaube, er ist schrecklich. Er hielt ihn wohl für ganz okay." Er, so Trump, habe das Atomabkommen mit Teheran entweder brechen oder "etwas damit tun" wollen, Tillerson habe das anders gesehen. "Ich denke, Rex wird von jetzt an viel glücklicher sein", schob er hinterher.

Bevor der US-Präsident im Falle Nordkoreas zumindest vorläufig auf eine moderatere Linie einschwenkte, war es neben Verteidigungsminister James Mattis namentlich Tillerson, der zur Besonnenheit mahnte. Während Trump den Diktator Kim Jong Un als "kleinen Raketenmann" verhöhnte, lange bevor er in einem Schwenk ein Treffen mit Kim anpeilte, versuchte sein Chefdiplomat, den rhetorischen Attacken die Spitze zu nehmen. Die Tür zum Dialog mit Pjöngjang stehe jederzeit offen, betonte er, wann immer die verbale Eskalationsspirale außer Kontrolle zu geraten drohte.

Im Sommer soll er Trump im kleinen Kreis einen "Trottel" genannt haben. Als der Sender NBC es publik machte, schien sein Abgang nur noch eine Frage der Zeit. Als Trump Saudi-Arabien im Streit mit Katar volle Rückendeckung gab, bediente sich Tillerson seiner alten Kontakte am Golf, um den Part des neutralen Vermittlers zu spielen. Zuvor hatte er vergeblich davon abgeraten, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen, allein schon um die Allianz mit den Europäern nicht noch weiter zu belasten. Und am Montag fand er nach der Nervengiftattacke im englischen Salisbury deutliche Worte, während Trump zu dem Vorfall schwieg. Zu diesem Zeitpunkt, heißt es, soll Tillersons Rauswurf bereits beschlossen gewesen sein.

Als sie verkündet war, gaben sich Vertraute des Ministers keine Mühe mehr zu vertuschen, was sich hinter den Kulissen an Kontroversen abgespielt hatte. Tillerson habe die Absicht gehabt, in seinem Amt zu bleiben, erklärte Steve Goldstein, einer seiner Stellvertreter. Der Minister habe nicht mit dem Präsidenten gesprochen, der Gründe für seine Entlassung sei er sich nicht bewusst.

Mike Pompeo, der Neue an der Spitze des State Department, scheint sich dagegen besten Einvernehmens mit Trump zu erfreuen, zumal er praktisch täglich mit ihm spricht. An fast jedem Wochentag trägt der bisherige CIA-Direktor beim morgendlichen Geheimdienst-Briefing vor, wie seine Analytiker die Weltlage sehen. Mit seinem robusten, selten von Selbstzweifeln geplagten Stil soll er den Präsidenten so beeindruckt haben, dass der schon seit Längerem mit dem Gedanken spielte, ihn zu befördern.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Washington: Trumps nächstes Opfer


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.