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Washington
Trumps neues Problem

Washington. Erst lief das TV-Duell mit Hillary Clinton nicht gut für Donald Trump. Jetzt kam heraus, dass der republikanische Präsidentschaftsbewerber jahrelang keine Steuern gezahlt haben könnte. Von Frank Herrmann

So beharrlich wie Donald Trump hat sich schon lange kein Präsidentschaftskandidat mehr geweigert, seine Steuererklärung offenzulegen. Seit Richard Nixon im Weißen Haus residierte, gehört es zu den ungeschriebenen Gesetzen amerikanischer Wahlkämpfe, die Zahlen freizugeben. Dass Trump es bisher nicht tat, begründete er mit einer laufenden Steuerprüfung, die ihn leider daran hindere, auch wenn ihm die Steuerbehörde sanft widersprach. Der wahre Grund ist ein anderer: Wie die "New York Times" in ihrer Sonntagsausgabe vorgerechnet hat, könnte der Immobilientycoon 18 Jahre lang nicht einen Cent an Einkommensteuern gezahlt haben.

Zurückzuführen ist es auf eine Pleitenserie, die ihn Anfang der neunziger Jahre am Rande des finanziellen Ruins wandeln ließ. Als seine drei luxuriösen, überdimensionierten Spielcasinos in Atlantic City nicht die Einnahmen erzielten, die er sich erhofft hatte, stand der hoch verschuldete Unternehmer kurz vor dem Bankrott. Eine Fluglinie, spezialisiert auf die vergleichsweise kurzen Strecken zwischen den Metropolen der Ostküste, erwies sich als Flop. In Manhattan erlitt er Schiffbruch mit dem Plaza Hotel, einem architektonischen Juwel, bei dessen Kauf er sich übernommen hatte. Kurzum, 1995 machte Trump einen Verlust von 916 Millionen Dollar geltend.

Mit damals legalen Abschreibungsmöglichkeiten dürfte er sein zu versteuerndes Einkommen um rund 50 Millionen Dollar pro Jahr heruntergerechnet haben, vermuten Steuerexperten, die das Zahlenwerk im Auftrag der "New York Times" analysierten. Und zwar für die drei Jahre vor und die 15 Jahre nach dem angegebenen Verlust. "Er hat persönlich enorm profitiert von seinem wirtschaftlichen Zerstörungswerk", zitiert die Zeitung einen der von ihr befragten Experten, Joel Rosenfeld, einen auf Immobilien spezialisierten Professor der New York University.

Die Echtheit der Papiere, die dem Blatt zugespielt wurden, bestreitet Trumps Stab nicht. Der Kandidat sei ein hoch qualifizierter Geschäftsmann, der gegenüber seinem Unternehmen, seiner Familie und seinen Beschäftigten in der Pflicht stehe und schon deshalb an Steuern nicht mehr zahlen dürfe, als er nach geltendem Recht zahlen müsse. Als ihm seine Kontrahentin Hillary Clinton in der ersten von drei Fernsehdebatten vorhielt, keine Einkommensteuer zu zahlen, gab Trump, selbstverliebt wie immer, zurück: Das beweise nur, wie schlau er sei. Nach der jüngsten Enthüllung versagte er sich jedes Eigenlob und drohte stattdessen aufgebracht mit rechtlichen Schritten. Keine Frage, die Sache kommt ihm ungelegen. Nicht, dass sich seine treuesten Anhänger daran stoßen würden. Für die frustrierte weiße Arbeiterschaft in strukturkrisengeplagten Industrieregionen kann er praktisch nichts falsch machen, der Milliardär, der ihre Sprache spricht und der das politische Establishment in ihrem Namen herausfordern soll. Doch Wähler, die in der politischen Mitte angesiedelt sind und Trumps düstere Beschreibung der amerikanischen Wirklichkeit nicht teilen, bekommen Bauchschmerzen. Nicht zuletzt seine ungezügelten Attacken gegen Alicia Machado, eine frühere Schönheitskönigin, haben in der weiblichen Wählerschaft Zweifel verstärkt, ob Trump je das Format erlangen kann, das einer braucht, um sein Land würdig repräsentieren zu können. Vor ein paar Tagen twitterte er nachts um drei zur Causa Machado, zum Fall einer inzwischen eingebürgerten Venezolanerin, die er einst verspottete, weil sie an Gewicht zugelegt hatte. Ob er nichts Besseres zu tun habe, ob es keine wichtigeren Probleme gebe, lautete daraufhin der Tenor der Kommentare.

Auch jetzt dauerte es nicht lange, da meldete sich Trump via Twitter zu Wort, um die Geschichte irgendwie ins Positive zu drehen. Er kenne Amerikas komplizierte Steuergesetze besser als jeder andere, der sich je um die Präsidentschaft beworben habe, schrieb er. "Und ich bin der Einzige, der sie reparieren kann."

Quelle: RP
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