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Washington
Trumps Team nimmt Konturen an

Washington. Der neue Präsident holt einen Partei-Apparatschik und einen rechten Hardliner ins Weiße Haus. Es ist ein spektakulärer personeller Spagat. Von Frank Herrmann

Es war Reince Priebus, der im Herbst 2012 eine Analyse über den Zustand der Republikaner in Auftrag gab, einen Bericht, der als "Obduktionsbefund" in die Annalen der US-Politik eingehen sollte. Der Partei, warnten die Autoren, werde es immer schwerer fallen, eine Präsidentschaftswahl zu gewinnen, falls sie ihre Basis nicht bald verbreitere. Statt in erster Linie eine Bastion weißer Männer zu sein, müsse sie zunehmend Frauen, Latinos, Afroamerikaner und Immigranten mit asiatischen Wurzeln in ihre Reihen aufnehmen, sonst begebe sie sich ins politische Abseits.

Priebus, der schon damals an der Spitze des Parteiapparats stand, erwarb sich den Ruf eines weitsichtigen Reformers, als er das Papier zirkulieren ließ. Vier Jahre darauf gewann Donald Trump die Präsidentschaftswahl, indem er sämtliche Ratschläge der Studie in den Wind schlug und stattdessen allein auf weiße Amerikaner setzte, auf deren Verunsicherung, deren Abstiegsängste, deren nostalgische Verklärung der Vergangenheit. Und nun wird Priebus Stabschef im Weißen Haus, Donald Trumps rechte Hand. Allein schon die Vorgeschichte zeigt, was alles an Pikantem in der Personalie liegt.

Es sind die Tage, in denen alle Welt darauf wartet, wie der 45. Präsident der Vereinigten Staaten personell die Weichen stellt, welche Signale er damit setzt. Ob er den zornigen Populismus des Wahlkampfs auch ins Oval Office tragen wird. Oder ob der wütenden Rhetorik ein sachlicherer Regierungsstil folgt. Vorerst lässt sich nur sagen: Die Signale sind widersprüchlich. Während Priebus' Beförderung auf eine gewisse Nüchternheit schließen lässt, spricht die Ernennung Steve Bannons zum Chefstrategen eher für das Gegenteil.

Bannon war, bevor Trump ihn im August zu seinem Wahlkampfmanager machte, Geschäftsführer von Breitbart News, eines Nachrichtenportals, das dem Nationalismus des "America First", wie ihn der Milliardär predigt, eine Plattform gibt. Bei Breitbart wurde Präsident Barack Obama beschuldigt, noch mehr "hasserfüllte Muslime importieren" zu wollen. Das Werk von Planned Parenthood, einer Organisation, die Abtreibungskliniken betreibt, wurde mit dem Holocaust verglichen. Weiblichen Opfern von Cybermobbing wurde nahegelegt, einfach offline zu gehen, um Männern nicht die Freude am Internet zu verhageln. Das Southern Poverty Law Center, eine Initiative, die Fälle von Rassenhass dokumentiert, nennt Bannon den Mann, der aus Breitbart News eine "weiße, ethno-nationalistische Propagandamaschine" gemacht habe.

Typisch für manche Seiteneinsteiger, die mit der Trump-Welle nach vorn gespült wurden, ist die Biografie des neuen Chefstrategen. Seine Eltern waren Demokraten: irisch-katholisch, gewerkschaftsnah, Anhänger John F. Kennedys. Er selber kreuzte auf Zerstörern der Marine auf den Weltmeeren, bevor er aus Enttäuschung über Jimmy Carters Iranpolitik an die Wall Street wechselte. Bannon wurde Banker bei Goldman Sachs, später gründete er eine kleine Investmentbank, die sich aufs Filmgeschäft spezialisierte. Mit Anteilen an der TV-Sitcom "Seinfeld" scheffelte er ein Vermögen. 2004 lernte er Andrew Breitbart kennen, den Gründer von Breitbart News. Nach dessen Tod, 2012, übernahm er die Nachrichtenseite.

Bannon neben Priebus - es spricht wohl zumindest dafür, dass Trump ein Kabinett anstrebt, in dem Ideologen und Pragmatiker einen harten Strauß ausfechten sollen, bevor er ein Machtwort spricht. Priebus, 44 Jahre alt, gilt als Prototyp des Partei-Loyalisten. Schon als Teenager organisierte er Pizza-Partys, um daheim in Kenosha, einer konservativen Enklave im damals noch von den Demokraten beherrschten Bundesstaat Wisconsin, freiwillige Wahlhelfer zu verköstigen. Für ein Wahlamt kandidierte er nie, stattdessen machte er stetig Karriere im Apparat. Der Jurist wurde Schatzmeister der Partei in Wisconsin, dann stieg er ins republikanische Nationalkomitee auf, wo er dem 2009 eingesetzten Vorsitzenden Michael Steele als Berater zur Seite stand. Bis er Steele, den ersten Afroamerikaner auf diesem Posten, zwei Jahre darauf ablöste.

Als Trump in diesem Jahr das Feld der Präsidentschaftskandidaten durcheinanderwirbelte und Teile der Parteielite händeringend versuchten, den Durchmarsch des Populisten zu stoppen, hielt sich Priebus lavierend im Hintergrund. Donald Trump, beschwichtigte er, werde irgendwann umschwenken und das Rebellische ablegen. Der Mann, fügte er in aller Regel hinzu, habe der "Grand Old Party" Wählerschichten erschlossen, die sich bereits resigniert von der Politik abgewandt hatten. Priebus ist eng befreundet mit Paul Ryan, dem Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, der ebenfalls aus Wisconsin stammt. Die Schiene soll dazu beitragen, den Riss zwischen Trumps Weißem Haus und den Republikanern im Kongress zu kitten.

Quelle: RP
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