Kaution von Schauspielerin Vanessa Redgrave,: Tschetschenen-Sprecher Sakajew soll in London vor Gericht
zuletzt aktualisiert: 06.12.2002 - 16:23London/Kopenhagen (rpo). Der Tschetschenen-Sprecher Achmed Sakajew wird in Großbritannien vor ein Gericht gestellt. Da Russland seine Auslieferung forderte, floh der 43-Jährige von Kopenhagen nach London, wo er auf dem Flughafen Heathrow auf Grund eines internationalen Haftbefehls festgenommen wurde. Nach Zahlung einer Kaution kam er frei.
Russland betrachtet Sakajew als Terroristen und kritisierte die Freilassung. Am kommenden Mittwoch soll er in London vor einem Gericht erscheinen, das damit das Auslieferungsverfahren eröffnet.
Die Kaution hatten die Schauspielerin Vanessa Redgrave, der konservative Europaparlamentarier Lord Bethell sowie der in London lebende russische Autor und Menschenrechtler Wladimir Bukowski gestellt. Redgrave bezeichnete sich im britischen Fernsehen als "Freund und Bürge" des Tschetschenen. "Es gibt viele Leute, die sich über Lage in Tschetschenien Sorgen machen", sagte sie. Sakajew zeigte sich in einem Interview mit dem "Guardian" optimistisch, dass ihn auch Großbritannien nicht ausliefern werde: "Die Beweise, auf denen dieses Auslieferungsersuchen beruht, sind alle erfunden, genau wie es in Dänemark war", sagte er.
Die Freilassung Sakajews gegen Kaution wurde von Russland heftig kritisiert. "Die Weltgemeinschaft macht die Zugehörigkeit eines Staates zur Anti-Terror-Koalition davon abhängig, wie der Staat mit Terroristen umgeht", sagte Außenminister Igor Iwanow nach Angaben russischer Agenturen bei einem Treffen der Außenminister der OSZE- Staaten in Porto. Sakajew stehe auf einer Stufe mit dem Terroristen Osama bin Laden, den man auch nicht einfach laufen lassen würde. Nach Angaben von Scotland Yard wirft Russland dem Tschetschenen-Sprecher unter anderem Mord in mehr als 300 Fällen vor.
Der Sprecher des dänischen Tschetschenien-Komitees, Thomas B. Larsen, kritisierte, dass die Kopenhagener Behörden Sakajew ohne Not und übereilt aus dem Land gezwungen hätten. Die Anwälte des Tschetschenen erklärten, sie hätten die Prüfung mehrerer Möglichkeiten wie eine Ausreise nach Deutschland oder Belgien nicht abschließen können.
Sakajew ist aus russischer Sicht ein Terrorist, steht jedoch nach Einschätzung westlicher Beobachter für den gemäßigten Flügel des Widerstandes in Tschetschenien, von dem noch am ehesten ein Einlenken in dem seit drei Jahren dauernden Krieg erwartet wird. Seit 2001 versucht er als "Sondergesandter" des im tschetschenischen Untergrund lebenden Präsidenten Aslan Maschadow, Kontakte ins Ausland zu knüpfen. Sakajew war kurz nach Ausbruch des zweiten Tschetschenien- Krieges im Herbst 1999 verletzt ins Ausland geflohen. Im Herbst 2001, als die Russen ihn schon mit internationalem Haftbefehl suchten, erhielt er dennoch freies Geleit für ein Treffen mit dem ranghohen Kreml-Vertreter und Ex-General Viktor Kasanzew in Moskau.
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