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Istanbul
Türkei plant offenbar Intervention in Syrien

Istanbul. Der Hoffnung von München folgt erste Ernüchterung. Von Klaus-Helge Donath und Thomas Seibert

Während der Westen und Russland einen Waffenstillstand in Syrien anstreben, denkt die Türkei offenbar über eine militärische Intervention im Nachbarland nach. In den kommenden Tagen werde die Öffentlichkeit sehen, was die Türkei unternehme, sagte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu. Der Vormarsch syrischer Regierungstruppen und Geländegewinne für die syrischen Kurden in der Nähe der Großstadt Aleppo haben Ankara alarmiert. Die Offensive der syrischen Truppen, die von russischen Luftangriffen unterstützt wird, hat in den vergangenen Tagen nicht nur Zehntausende Flüchtlinge an die türkische Grenze getrieben, sondern auch in Aleppo wichtige Versorgungswege pro-türkischer Rebellengruppen in die Türkei unterbrochen. Der Korridor zwischen der Türkei und dem etwa 60 Kilometer südlich der Grenze gelegenen Aleppo sei wichtig, sagte Davutoglu.

Besonders ominös ist aus türkischer Sicht die Tatsache, dass die Kurdenmiliz YPG im Windschatten der Kämpfe im Norden Aleppos neue Geländegewinne gemacht hat. Nach übereinstimmenden Berichten aus Nordsyrien nahmen YPG-Kämpfer in den vergangenen Tagen mehrere Dörfer ein. Für die Türkei ist die YPG keine Miliz wie jede andere. Sie ist der bewaffnete Arm der syrischen Kurdenpartei PYD. Beide Gruppen werden von Ankara als syrische Vertretungen der Rebellenorganisation PKK und damit als Terrororganisation gesehen.

Möglicherweise wollte Davutoglu die YPG mit der versteckten Drohung nur warnen, doch auch Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte in den vergangenen Tagen die Bereitschaft zu einer Militärintervention in Syrien angedeutet.

Das könnte allerdings Russlands Präsident Wladimir Putin dazu verleiten, seine Infanterie weiter nach Syrien zu verlegen, vermuten russische Analysten. Putin ordnete diese Woche bereits eine Inspektion der Streitkräfte im südlichen Wehrbezirk an. Neben Elite-Luftlandetruppen und Transportgeschwadern werden auch die Flotten im Schwarzen und Kaspischen Meer einer Prüfung auf Kampftauglichkeit unterzogen und in Gefechtsbereitschaft versetzt.

Vor zwei Jahren fand schon einmal eine solche außerplanmäßige Inspektion statt. Jene Überprüfung führte dazu, dass dieselben Einheiten an die ukrainische Grenze verlegt wurden. Es war das Vorspiel für die Annexion der Krim und den Krieg in der Ost-Ukraine. Wie damals behaupten die Militärs, es handele sich nur um eine Vorbereitung für spätere strategische Übungen.

Quelle: RP
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