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Istanbul
Türkei wird erneut Ziel eines Terroranschlags

Airport-Attentat: Dramatische Szenen in Istanbul
Istanbul. Mindestens 28 Menschen wurden bei mehreren Explosionen am Istanbuler Flughafen Atatürk getötet.

Vor dem Flughafengebäude herrschte gestern am späten Abend das pure Chaos. Krankenwagen bahnten sich ihren Weg durch herumirrende Fluggäste. Viele von ihnen waren verletzt, die Kleidung blutüberströmt. Mindestens 28 Menschen sollen gestern Abend bei dem Selbstmordanschlag am internationalen Flughafen von Istanbul getötet worden sein, sagte der Istanbuler Gouverneur Vasip Sahin. Der türkische Justizminister Bekir Bozdag sprach anfangs von mindestens zehn Toten, sagte aber, dies sei nur eine "erste Bilanz". Laut Bozdag schoss ein "Terrorist" am internationalen Terminal erst mit einer Kalaschnikow um sich und sprengte sich dann in die Luft. Vasip Sahin sprach gegenüber dem Nachrichtensender CNN Türk von drei Selbstmordattentätern.

Sämtliche Flüge am Flughafen Atatürk wurden nach dem Attentat gestrichen, wie türkische Fernsehsender berichteten. Die Polizei sperrte das Gelände ab. Der Atatürk-Flughafen liegt im europäischen Teil von Istanbul und ist der größte der Türkei.

Mehrere Augenzeugen berichteten örtlichen TV-Sendern, dass nach den Explosionen und Schüssen am Terminal Panik ausbrach. Die Explosionen seien "sehr stark" gewesen, sagte ein Augenzeuge CNN Türk. "Alle sind in Panik ausgebrochen und in verschiedene Richtungen gelaufen."

Auf Bildern, die in sozialen Netzwerken verbreitet wurden, waren immense Zerstörungen im Inneren des Terminals zu sehen. Menschen lagen auf dem Boden.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zeigte sich "entsetzt" über die Nachrichten aus Istanbul. "Unsere Gedanken gelten in diesen Stunden den Menschen in der Türkei", schrieb er im Internetdienst beim Kurznachrichtendienst Twitter.

In der Türkei hatte es in den vergangenen Monaten eine Reihe von Attentaten gegeben. Für diese machte die türkische Regierung meist die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) oder die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich. Zuletzt war Istanbul am 7. Juni von einem Anschlag erschüttert worden. Eine Autobombe explodierte im morgendlichen Berufsverkehr, als gerade ein Polizeibus vorbeifuhr. Sieben Polizisten und vier Zivilisten wurden getötet, 36 Menschen verletzt. Zu dem Anschlag bekannte sich die kurdische Rebellengruppe Freiheitsfalken Kurdistans - TAK. Und bei einem Selbstmordanschlag des IS waren im Istanbuler Zentrum im Januar zwölf deutsche Urlauber getötet worden.

Wer nun hinter dem Anschlag am Flughafen von Istanbul steckte, blieb zunächst unklar. Der Sicherheits- und Terrorismusexperte Abdullah Agar äußerte im Sender CNN Türk die Vermutung, dass es sich um einen dschihadistischen Angriff gehandelt habe. "Das ähnelt ihren Methoden sehr." Agar verwies dabei auch auf die Anschläge auf die U-Bahn und den Flughafen von Brüssel im März dieses Jahres.

Quelle: RP
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