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Istanbul
Türkisch-russische Krise zur See

Istanbul. Seit einigen Tagen häufen sich riskante Begegnungen zwischen russischen und türkischen Schiffen. Von Thomas Seibert

Die Bosporus-Meerenge bei Istanbul ist gestern zum neuen Schauplatz der türkisch-russischen Krise geworden. Demonstrativ begleitete ein türkisches U-Boot das russische Kriegsschiff "Cäsar Kunikow" während der Durchfahrt durch die Meerenge. Anfang des Monats hatte ein russischer Soldat auf dem Schiff während einer früheren Bosporus-Passage mit einem Luftabwehr-Geschoss posiert und damit wütende Reaktionen der Türkei ausgelöst. Auch auf politischer Ebene halten die Spannungen an: Der Kreml sagte ein Treffen von Präsident Wladimir Putin mit seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan ab.

Kriegsschiffe, die sich mitten in einer Millionenmetropole und auf einer der meist befahrenen Schifffahrtsrouten der Welt belauern - der Streit zwischen der Türkei und Russland seit dem Abschuss eines russischen Bombers an der syrischen Grenze am 24. November zieht immer weitere Kreise. Die Zwischenfälle häufen sich: Erst am Wochenende hatte ein russischer Zerstörer in der Ägäis Warnschüsse auf ein türkisches Fischerboot abgegeben, das nach russischen Angaben zu nahe gekommen war. Im Schwarzen Meer soll ein türkischer Frachter von russischen Kriegsschiffen abgedrängt worden sein.

Die türkische Regierung hofft zwar immer noch, dass Moskau nach Sanktionsdrohungen und Vorwürfen an Erdogan bald wieder zur Normalität zurückkehren wird. Er wolle keine Spannungen mit Russland, sondern die strategische Partnerschaft fortsetzen, sagte Erdogan. Aber die russische Führung denkt offenbar nicht daran, zur Tagesordnung zurückzukehren. Putins Sprecher Dmitri Peskow erklärte, der turnusgemäße türkisch-russische Gipfel in St. Petersburg werde nicht stattfinden. Der russische Botschafter in Ankara, Anderj Karlow, sagte der Zeitung "Cumhuriyet", ohne eine Entschuldigung der Türkei für den Flugzeugabschuss, eine Bestrafung der Verantwortlichen und eine Entschädigung werde es keine Rückkehr zu normalen Beziehungen geben.

Mitten in der politischen Krise wurde gestern der türkische Verein Fenerbahçe Istanbul als Gegner von Lokomotive Moskau in der Europa League ausgelost. Die Partien sollen im Februar ausgetragen werden.

Quelle: RP
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