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Düsseldorf
Was Tunesien-Reisende wissen müssen

Tunesien: Was Reisende wissen müssen
Ein tunesischer Soldat vor dem Bardo-Museum, dem Ort des Anschlags in Tunis. Das Auswärtige Amt empfiehlt, den Bereich rund um das Museum zu meiden. FOTO: AFP
Düsseldorf. Nach dem Terroranschlag auf das tunesische Nationalmuseum sind viele Urlauber beunruhigt. Das Auswärtige Amt mahnt zwar zur Vorsicht, hat bisher jedoch keine Reisewarnung für die Region ausgesprochen. Von Sebastian Fuhrmann, Philipp Jacobs und Gregor Mayntz

23 Menschen sind bei dem blutigen Anschlag in der tunesischen Hauptstadt Tunis ums Leben gekommen. Urlaubsreisende sorgen sich um die Sicherheit in dem Land und wenden sich an die Reiseveranstalter. Doch welche Rechte hat man in solch einem Fall? Und wie sicher ist das Land wirklich?

Können Reisen nach Tunesien gebührenfrei storniert oder umgebucht werden?

Nein. Grundsätzlich sind Stornierungen und Umbuchungen trotz des Anschlags nicht gebührenfrei. Natürlich kann niemand gezwungen werden, eine Reise anzutreten. Wer aber ohne guten Grund absagt, muss je nach Zeitpunkt einen Großteil des Reisepreises zahlen. Die Veranstalter verweisen in dem Fall Tunesien auf das Auswärtige Amt, das für das Land bisher keine Reisewarnung ausgesprochen hat. In Einzelfällen kündigten einige Unternehmen aber Sonderregelungen an. Doch "niemand soll bei uns mit Bauchgrummeln in den Urlaub fahren", sagt ein Sprecher des Düsseldorfer Reiseunternehmens Alltours.

Wann greift die Reiserücktrittsversicherung?

Die Angst vor Terroranschlägen in Tunesien reicht als Grund für einen Reiserücktritt nicht aus. Die meisten Gesellschaften erkennen nur folgende Gründe an: Tod, schwerer Unfall oder "unerwartet schwere Erkrankung" der versicherten Person oder eines nahen Familienangehörigen, Schwangerschaft, Impfunverträglichkeit, Schäden am Eigentum infolge eines "Elementarereignisses" (wie Hochwasser), Feuer oder einer Straftat.

Stellen Veranstalter die Reisen nach Tunesien ein?

Nein. Einige Reiseveranstalter haben dennoch aus Sicherheitsgründen alle Ausflüge innerhalb der Region abgesagt.

Welche Regionen gelten als unsicher? Generell wird empfohlen, im ganzen Land außerhalb der Touristenzentren entlang der Mittelmeerküste besondere Vorsicht walten zu lassen. Das Auswärtige Amt empfiehlt Reisenden daher, in den Zentren zu bleiben. Der Bereich rund um das Bardo-Museum in Tunis sollte gemieden werden. Auch von Reisen in die Gebirgsregionen nahe der algerischen Grenze im Bereich von El Aioun bis Kasserine wird wegen möglicher bewaffneter Auseinandersetzungen abgeraten. Im Westen des Landes sei jenseits der Hauptverkehrsrouten generell besondere Vorsicht angezeigt. Und wegen der Entführungsgefahr sollte man sich auch nicht in die tunesische Wüste begeben - nicht einmal in organisierten Fahrten.

Wie viele Deutsche sind in Tunesien?

Dazu gibt es keine einheitlichen Zahlen. Über den Veranstalter Tui sind im Moment rund 1000 deutsche Reisende in Tunesien, Alltours meldet 200 deutsche Urlauber. Der Deutsche Reiseverband teilt mit, dass im Jahr 2014 insgesamt 426 000 Deutsche nach Tunesien gereist sind. Die Zahl der Reisenden ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen; 2011 waren nur 271 000 Deutsche nach Tunesien gereist.

Was gilt für die Nachbarstaaten?

Im Norden der ägyptischen Sinai-Halbinsel gibt es häufig Angriffe auf Militär und Polizei. Für diese Region gilt eine Reisewarnung - nicht aber für den touristisch relevanten Süden. Marokko gilt im Vergleich mit anderen Maghreb-Staaten noch als politisch stabil und mit touristischer Infrastruktur gut erschlossen. Nach Einschätzung deutscher Diplomaten lässt sich aber nicht ausschließen, dass Terroristen auch hier zuschlagen. Eine Gefährdung westlicher Ausländer sei insbesondere in den Städten Rabat, Tanger, Marrakesch und Casablanca sowie in den Grenzgebieten zu Algerien und Mauretanien deshalb nicht von der Hand zu weisen. In Libyen herrscht nach dem Sturz von Muammar al Gaddafi Bürgerkrieg. Vor Reisen wird eindringlich gewarnt. In Algerien kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Anschlägen und Entführungen westlicher Staatsangehöriger, insbesondere in der Sahara-Region.

Quelle: RP
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