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Funafuti
Tuvalu - die kleinste Volkswirtschaft der Welt

Funafuti. Neun Inseln im Südpazifik kommen gerade so über die Runden. Doch jetzt droht der Klimawandel. Von Barbara Barkhausen

Tuvalu hat das kleinste Bruttoinlandsprodukt der Welt. Eine Rangliste der Weltbank führt die pazifische Inselnation als letztes von 195 Ländern. Weniger als 40 Millionen US-Dollar erwirtschaftet das Land jährlich - Kiribati auf Position 194 der Liste brachte es dagegen auf fast 130 Millionen mehr.

Tuvalu liegt etwa auf halbem Weg zwischen Hawaii und Australien. Es ist "wie eine Perlenkette, die sich auf wunderschöne Art und Weise im Südpazifik verteilt", schreibt ein Bewohner des Inselstaates auf seiner Facebookseite. Die neun Inseln, die gerade mal drei bis vier Meter über dem Meeresspiegel liegen, beherbergen immerhin gut 10.000 Menschen. Türkisfarbenes Wasser, weiße Sandstrände, Palmen und Tropen-Feeling - die winzige Nation, die auch zu den kleinsten Ländern der Erde gehört, ist noch abseits des Touristenrummels.

Die Tourismusbehörde führt gerade mal drei Unterkünfte auf dem Atoll Funafuti auf, das gleichzeitig auch als Hauptstadt für die Mini-Nation fungiert. Auf Funafuti ist auch die einzige Landebahn, die immerhin zweimal die Woche von Fidschi aus angeflogen wird. Doch die Idylle täuscht. Denn die Inseln sind vom Klimawandel bedroht. Die Schäden seien vor allem in den vergangenen zehn Jahren immer deutlicher zu sehen, heißt es vonseiten des Projekts NPO Tuvalu. Die Organisatoren berichten etwa von der Insel Tepuka, auf der der Strand in der vergangenen Dekade fast komplett der Erosion zum Opfer gefallen ist. Um die 20 Meter sind verschwunden, Kokospalmen wurden zerstört. "Größere Überschwemmungen kommen inzwischen über zehnmal im Jahr vor", heißt es. "Obwohl die Überflutung meist nur etwa drei Stunden dauert, reicht das, um Ernten zu zerstören und Wasser zu verseuchen."

Letzteres ist eines der größten Probleme des Inselstaates, der seine Trinkwasserreserven allein durch das Auffangen von Regenwasser aufstockt. Im Oktober 2011, als das 26 Quadratkilometer große Land nur noch für wenige Tage Wasser hatte, musste der Notstand ausgerufen werden.

Dass Tuvalu überhaupt überleben kann, verdankt der Inselstaat unter anderem Entwicklungshilfen aus Japan, der EU, Australien und Neuseeland. Neuseeland nimmt zudem jedes Jahr bis zu 75 Tuvaluer bei sich auf, solange sie ein Jobangebot haben. Ein Großteil der Bewohner versorgt sich durch Landwirtschaft und Fischerei selbst. Zwei Drittel der offiziell Beschäftigten sind im Staatsdienst tätig. Exportiert wird von Tuvalu aus nur das aus Kokosnüssen gewonnene Kopra, Fisch und einige Holzprodukte. Ansonsten bringen die Einnahmen aus Fischereilizenzen dem Staat Geld ein sowie der Verkauf der Internetdomäne ".tv".

Viele Familien warten jedoch auf Geld, das ihnen Familienmitglieder aus dem Ausland überweisen. So heuern viele Tuvaluer auf deutschen Schiffen an. Vor wenigen Jahren standen noch 500 tuvaluische Seeleute in den Diensten deutscher Reedereien, derzeit sind es noch etwa 200. Die Seefahrtsschule des Landes, die jährlich etwa 120 Matrosen ausbildet, wurde einst mit deutscher Unterstützung gegründet.

Quelle: RP
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