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Düsseldorf
TV-Duell: Geisel greift Elbers an

Düsseldorf. Eine Stunde stritten die beiden aussichtsreichsten OB-Kandidaten für den Chef-Sessel im Düsseldorfer Rathaus über die richtige Stadtpolitik. Es ging um Finanzen, Mieten, Schulen und die Stadtentwicklung. Von Jörg Janssen

Einen heftigen Schlagabtausch vor laufender Kamera haben sich die die beiden Top-Kandidaten für das Amt des Düsseldorfer Oberbürgermeisters, Dirk Elbers (CDU) und Thomas Geisel (SPD), geliefert. Bei dem von center.tv und Antenne Düsseldorf aufgezeichneten Duell ging es vornehmlich um Schuldenfreiheit und bezahlbaren Wohnraum, aber auch um Schulsanierung, Stadtentwicklung, Fracking und Kita-Beiträge.

Herausforderer Geisel bezweifelte, dass Düsseldorf tatsächlich schuldenfrei sei. Diese Behauptung der schwarz-gelben Mehrheit im Düsseldorfer Rathaus sei "ein Märchen". Es gebe Verbindlichkeiten bei Kreditinstituten in dreistelliger Millionenhöhe. "Und das sind nunmal Schulden", meinte der Sozialdemokrat, der bis vor einem Jahr als Manager beim Energiekonzern Eon arbeitete. Elbers erklärte, noch existierende Alt-Kredite würden wegen guter Konditionen nicht abgelöst und rechnete die Millionen dagegen, die die Stadt unter anderem nach dem Verkauf von RWE-Anteilen in einer Holding platziert habe. Geisel verstehe das offenbar nicht.

Unterschiede wurden auch beim Thema Stadtentwicklung deutlich. Geisel plädierte nach Kö-Bogen und Wehrhahn-Linie für "eine Verschnaufpause" bei City-Projekten. Statt in weitere Prestigevorhaben in der Innenstadt müsse endlich mehr in Stadtteile wie Lierenfeld und Garath investiert werden. Ein Reizthema für den seit sechs Jahren amtierenden Rathaus-Chef. "Das gehört sich nicht", sagte er und warf dem Sozialdemokraten vor, die genannten Viertel "zu stigmatisieren".

Geisels Äußerung, eine Erschließung unterirdischer Gasvorkommen mit Hilfe des umstrittenen Fracking-Verfahrens ausloten zu lassen, nutzte der OB zum Angriff. Mit ihm werde es ein solches Vorhaben in Düsseldorf nicht geben. Geisel stellte klar, auch er sehe eine Großstadt wie Düsseldorf "sicher nicht als Produktionsstandort". Klar sei auch, dass von diesem, erst noch zu prüfenden Verfahren grundsätzlich keine Gefahren für Menschen ausgehen dürften.

Harte Kritik übte der 50-jährige Herausforderer an der Düsseldorfer Wohnungspolitik. Die Stadt setze zu sehr auf das Luxussegment. Öffentlich geförderter Wohnungsbau komme zu kurz, die städtische Wohnungsbaugesellschaft spiele eine zu geringe Rolle, meinte der Herausforderer. Elbers konterte den Angriff, indem er auf die Förderung in neuen Wohnvierteln verwies. Er berief sich auch auf das im Rat mit den Stimmen der Grünen auf den Weg gebrachte Handlungskonzept Wohnen. "Es kommt zu spät", meinte Geisel, dessen Partei das Konzept seinerzeit nicht mit verabschiedet hatte.

Gleich an mehreren Stellen des von den Journalisten Denisa Richters (Rheinische Post), Arne Klüh (Antenne Düsseldorf) und Silke Lauenroth (center.tv) moderierten Streitgesprächs stritten die Bewerber um die Schulpolitik. Geisel nannte den jetzt angesichts von immer mehr Kindern auf den Weg gebrachten Ausbau von Grundschul-Kapazitäten abschätzig ein "Feuerwehr-Programm", das auf Provisorien statt auf Neubauten setze. Schlecht sei zudem, dass von den 30 Millionen Euro, die im Masterplan Schulen für Sanierungen vorgesehen seien, allenfalls die Hälfte ausgegeben werde. Außerdem würden zu viele Dinge aus diesem Topf bestritten. Elbers betonte dagegen, dass die Stadt in gut einem Jahrzehnt mehr als eine halbe Milliarde Euro allein für Schulen ausgegeben habe.

Einig waren sich Geisel und Elbers beim Thema Beitragsfreiheit in Kitas auch für unter Dreijährige. Elbers sieht die Priorität eher beim Ausbau der Kapazitäten und der weiteren Schuldenfreiheit, Geisel sprach von einem Wahlkampfgeschenk. Ihn wundere, dass es ausgerechnet von der FDP komme.

Quelle: RP
 
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