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Italienische Finanzkonzerne wissen von nichts: Übernahme dementiert

zuletzt aktualisiert: 26.06.2000 - 21:09

Mailand (dpa). Die italienischen Finanzkonzerne Generali und Intesa haben am Montag bestritten, sich gemeinsam um den Kauf der Commerzbank zu bemühen.

Der führende italienische Versicherer Assicurazioni Generals SpA (Triest) und der Bankenprimus Banca Intesa wiesen Medienberichte zurück, sie wollten gemeinsam mit der spanischen Banco Santander Central Hispano (BSCH) den Frankfurter Geldkonzern übernehmen.

"Von einem solchen Kaufprojekt wissen wir nichts", erklärte die Banca Intesa. Ein Generali-Sprecher sagte: "Wir dementieren ein Akquisitionsprojekt zu dritt." Zu möglichen alternativen Kaufprojekten wollte Generali sich nicht äußern.

Intesa, Generali und BSCH sind mit kleinen Anteilen an der Commerzbank beteiligt. Zusammen kommen die drei Konzerne auf einen Anteil von elf Prozent. Die von Finanzspekulanten gegründete Beteiligungsgesellschaft CoBra, die 17 Prozent der Commerzbank-Aktien hält, soll den drei Unternehmen ihr Aktienpaket angeboten haben. Zumindest Generali hatte vor einigen Wochen Gespräche mit Cobra bestätigt. Für die Versicherungsgesellschaft ist ihre Überkreuzbeteiligung mit der Commerzbank ein zentraler Bestandteil ihrer Strategie für den Vertrieb der Versicherungsprodukte der Tochterfirma Aachener und Münchener in Deutschland.

"Handelsblatt": Commerzbank könnte Zerschlagung drohen

Der Commerzbank könnte bei einem Scheitern der Gespräche mit der Dresdner Bank nach Informationen des "Handelsblattes" die Zerschlagung drohen.

Die Versicherer Generali sowie die Banca Intesa aus Italien und die spanische Großbank Banco Santander Central Hispano erwögen, die Commerzbank zu übernehmen und unter sich aufzuteilen, schrieb das Blatt in seiner Montagausgabe. Zugleich scheine eine Fusion von Dresdner und Commerzbank näher gerückt zu sein. Die Commerzbank wollte den Bericht nicht kommentieren. Die Börse reagierte positiv auf die Übernahmegerüchte: Bis zum Mittag legte das Papier um mehr als drei Prozent zu.

Bankkreise hielten eine feindliche Aktion durch Generali, die fünf Prozent an der Commerzbank hält, allerdings für unwahrscheinlich. Bisher sei die Zusammenarbeit zwischen dem italienischen Versicherungsriesen und der Commerzbank gut gewesen. Eine Zerschlagung würde eine völlige Änderung dieser Politik bedeuten. Als Unsicherheitsfaktor gilt allerdings die Cobra Beteiligungsgesellschaft, die vor wenigen Wochen überraschend 17 Prozent an der Commerzbank erworben hatte. In Bankkreisen hieß es, die Investorengruppe sei derzeit bemüht, ihr Paket unterzubringen. Kursgewinne der Commerzbank-Aktie in Folge von Gerüchten seien im Interesse des Großaktionärs.

Laut "Handelsblatt" hat Cobra ihren Anteil den drei Häusern bereits angetragen. Generali, Banco Santander und Banca Intesa hielten zusammen bereits rund elf Prozent an der Commerzbank. Offenbar wollten die drei Institute jedoch erst den Verlauf der Gespräche zwischen Dresdner und Commerzbank abwarten. Scheiterten diese, sei aber alles möglich. Dabei habe der Versicherungskonzern ein Auge auf die Fondsgesellschaft Adig geworfen. Für Intesa wären wohl die Aktivitäten der Commerzbank im Investmentbanking am attraktivsten. Die Commerzbank-Tochter comdirect könnte an die spanische Großbank gehen, spekulierte das Blatt. Am Kleinkundengeschäft seien offenbar alle drei Parteien nicht interessiert.

Commerzbank und Dresdner: Angeblich Annnäherung

Denkbar wäre laut "Handelsblatt" nach Auffassung von Marktbeobachtern, dass das Retailgeschäft dem Versicherungsriesen Allianz, der den Vertrieb seiner Produkte auf der Bankenschiene ausbauen will, oder der Deutschen Bank 24 abgeboten würde. In Bankkreisen hieß es allerdings, die Generali schätze gerade das Retailgeschäft der Commerzbank als Vertriebsplattform für ihre Produkte.

Nach Informationen aus Bankenkreisen wollten beide Häuser ihre Gespräche noch diese Woche fortsetzen. Dresdner-Chef Bernd Fahrholz und Commerzbank-Chef Martin Kohlhaussen sollen mittlerweile einer Vollfusion der Vorzug geben, heiße es. Bei einem Zusammengehen strebten die Banken die Führung im Retailgeschäft auf dem deutschen Markt an. Konkrete Vereinbarungen gebe es aber noch nicht. Neben den Gesprächen auf der Top-Führungsebene arbeiteten jetzt auch Arbeitsgruppen an einer detaillierten Strategie.

Großaktionär Cobra will "paneuropäische" Lösung

Der Geschäftsführer des Commerzbank-Großaktionärs CoBra, Hansgeorg Hofmann, hält nach Angaben der "Berliner Zeitung" eine "paneuropäische" für das viertgrößte deutsche Geldinstitut für weitaus "attraktiver" als eine Fusion mit der Dresdner Bank. "Es muss ja nicht zu einer Zerschlagung kommen", sagte Hofmann der "Berliner Zeitung". Hofmann: "Man kann sich ja auch anders einigen".

Einem Zusammenschluss der Commerzbank mit der Dresdner Bank erteilte Hofmann eine klare Absage: "In einer rein innerdeutschen Lösung sehe ich keine Synergieeffekte, die den Kunden, den Mitarbeitern oder den Aktionären zugute kommen könnten". Sie werde nur zehntausende Arbeitsplätze kosten. Die Aktionäre hätten einer Fusion bereits eine klare Absage erteilt: "Die Märkte sehen ganz gut voraus, ob eine Lösung Sinn macht oder nicht", sagte Hofmann.

Quelle: RPO Archiv

 
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