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Düsseldorf
Überstunden kosten 180 Millionen

Düsseldorf. NRW-Behördenmitarbeiter schieben fünf Millionen Überstunden vor sich her. Von Thomas Reisener

Die rund 350.000 Beschäftigten des Landes NRW haben mehr als fünf Millionen Überstunden angesammelt. Das ergibt sich aus früheren Angaben der Landesregierung sowie aus der noch unveröffentlichten Antwort des NRW-Finanzministeriums auf eine Anfrage des stellvertretenden FDP-Fraktionsvorsitzenden Ralf Witzel. Demnach haben vor allem die rund 170.000 Lehrer Anspruch auf den Ausgleich von 1,1 Millionen Überstunden. In der Justiz des Landes sind derzeit 441.000 Überstunden dokumentiert und in der Zuständigkeit des NRW-Bauministeriums 62.000 Überstunden.

Die bereits bekannten vier Millionen Überstunden bei der NRW-Polizei hinzugerechnet, entsprechen die angesammelten Überstunden bei den Landesbehörden der Jahresarbeitsleistung von über 3000 Vollzeitstellen und haben einen Gegenwert von 180 Millionen Euro, wenn man - wie die Landesregierung es tut - ein Jahresgehalt von 55.000 Euro pro Kopf annimmt.

"Diese Ansprüche müssen irgendwann entgolten werden - mit Freizeitausgleich oder mit Geld. Insofern ist der Überstundenberg bei den NRW-Behörden eine Hypothek für kommende Haushalte", verdeutlicht Witzel das Problem. Im vergangenen Jahr hat das Land nach Angaben des Finanzministeriums schon 33,7 Millionen Euro aufgewandt, um Überstundenansprüche finanziell abzugelten, zwei Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Ohne diese dämpfenden Maßnahmen wäre der Überstundenberg in NRW noch höher. Wie viele Überstunden allein im vergangenen Jahr neu angefallen sind, erklären die Angaben des Finanzministeriums nicht. Weil in vielen Behörden mit flexiblen Arbeitszeitmodellen gearbeitet werde, sei "eine Trennung von eigenverantwortlich erarbeiteten Plusstunden und angeordneter Mehrarbeit nur zu bestimmten Terminen möglich", so das Ministerium.

Das erschwert den Vergleich mit anderen Bundesländern, die ebenfalls unter Überstundenbergen leiden. Witzel kritisiert: "So oder so sind die tatsächlichen Personalaufwendungen des Landes im aktuellen Haushalt unterfinanziert. Das ist unseriös."

Quelle: RP
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