Umbau der Bundesanstalt für Arbeit könnte Jahre dauern: Umfrage: Mieseste Arbeitsämter in Stuttgart und Köln
zuletzt aktualisiert: 13.08.2002 - 14:37Berlin/Hamburg (rpo). Firmenchefs haben geplaudert: Stuttgart, Köln und Ludwigshafen haben die schlechtesten Arbeitsämter Deutschlands. Die besten sitzen in Plauen, Essen und Altenburg. Das ergab eine Forsa-Umfrage bei 18.100 Firmenchefs im Auftrag des Magazins "Impulse".
Danach schneiden die ostdeutschen Arbeitsämter in der Tendenz besser ab als die westdeutschen, die in Regionen besser als die in den Großstädten.
Rund zwei Drittel der Unternehmer zeigten sich danach mit dem Service der Arbeitsämter insgesamt zufrieden, kritisierten jedoch die mangelnde Eignung der meisten Bewerber.
Zu den besten Arbeitsämtern zählten auch Essen, Altenburg, Nordhausen und Merseburg. Vier der fünf besten Ämter sind somit in Ostdeutschland zu finden. Neben Köln und Ludwigshafen kamen auch Berlin-Südwest und Hamburg in der Umfrage schlecht weg. Mit Frankfurt am Main (Platz 175) und München (Platz 170) reihten sich zwei weitere Großstadt-Arbeitsämter in die Schlusslichter ein.
Mit der Kompetenz der Mitarbeiter, dem Service und der Bearbeitungsdauer zeigten sich der Umfrage zufolge rund 60 Prozent der Unternehmer zufrieden. 70 Prozent übten heftige Kritik an der Qualität der angebotenen Bewerber. Über die lange Bearbeitungsdauer beklagten sich 65 Prozent der Befragten.
Einer Befragung aller Arbeitsamtdirektoren hatte die Bundesanstalt für Arbeit per Erlass einen Riegel vorgeschoben, wie Forsa-Chef Manfred Güllner sagte. Trotzdem hätten noch 50 Direktoren ihre Meinung geäußert. Von diesen hätten 30 Prozent "zu viele und zu komplizierte Weisungen und zu viel Bürokratie" aus Nürnberg beklagt. Von den Unternehmen wünsche sich gut ein Drittel der Befragten eine frühere Meldung freier Stellen. 26 Prozent hätten gerne präzisere Anforderungsmodelle.
Mehr Entscheidungsspielraum für Arbeitsämter gefordert
"Die Vorschläge der Hartz-Kommission setzen eigentlich an der falschen Stelle an", bilanzierte "impulse"-Chefredakteur Thomas Voigt das Ergebnis der Umfrage. Der Grundgedanke der Hartz-Pläne sei eine Reform der Arbeitsbehörde von oben. "Unsere Studie zeigt aber, dass jetzt genau das Gegenteil notwendig wäre. Wir brauchen eine Reform der Bundesanstalt von unten - mit mehr Entscheidungsfreiraum für die Arbeitsämter und neuen Wettbewerbsstrukturen zwischen den Behörden."
Nach Einschätzungen von Experten kann der Umbau der Bundesanstalt für Arbeit zu einer modernen Dienstleistungsagentur Jahre dauern. Der von der Hartz-Kommission angesetzte Zeitraum sei nicht realisierbar.
Nach Einschätzung des Personalratsvorsitzenden Eberhard Einsiedler dauert der Prozess vier bis fünf Jahre. "Prozesse dieser Art sind nicht innerhalb von drei Monaten zu machen", sagte Einsiedler nach Angaben der "Financial Times Deutschland".
Diese Einschätzung wird dem Blatt zufolge von der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden Ursula Engelen-Kiefer geteilt, die auch stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrates der Anstalt ist. Beide gehen damit davon aus, dass der von der Hartz-Komission gesteckte Zeitrahmen von maximal drei Jahren nicht realisierbar sei.
Die Beschäftigten der BA seien im Moment nicht so leicht zu motivieren, sagte Einsiedler. "Es ist aber unabdingbar, dass sie in die Entscheidungen und Ausgestaltung einbezogen werden".
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