Orkanwarnung an der Küste: Umstürzende Bäume töteten drei Menschen
zuletzt aktualisiert: 29.01.2000Hamburg/Hannover (dpa). Sturmtief "Kerstin" ist am Samstag über Teile Deutschlands hinweggefegt und hat mindestens drei Menschen das Leben gekostet. An der Küste von Nord- und Ostsee wurde für die Nacht zu Sonntag vor einem Orkan und einer schweren Sturmflut gewarnt.
Am Sonntagmorgen könnte der Wasserstand bei 2,5 bis 3,5 Meter über dem mittleren Hochwasser liegen, sagte ein Sprecher des Bundesamtes für Hydrographie (BSH). In Hamburg wurde für die Nacht ein Krisenstab gebildet. In den Küstenbereichen wurden Windgeschwindigkeiten bis zu 150 Stundenkilometern erwartet.
Ein umstürzender Baum erschlug am Samstagnachmittag im Harz in der Nähe von Braunlage in Niedersachsen einen 36-jährigen Ski-Wanderer aus Leipzig vor den Augen seiner Familie. Nach Angaben der Polizei war der Mann mit seiner 35 Jahre alten Frau und den 13 und acht Jahre alten Kindern sowie einem Bekannten auf einer gesperrten Loipe bei Königskrug unterwegs gewesen. Die Polizei warnte ausdrücklich davor, die Wälder im Harz bei den derzeit extremen Witterungsverhältnissen zu betreten. Schneefälle, Orkanböen und teils dichter Nebel hatten im Harz am Samstag streckenweise zu erheblichen Verkehrsbehinderungen geführt.
Fährverkehr nach Amrum und Föhr unterbrochen
Bei Windböen bis zu 100 Stundenkilometern stürzte im baden- württembergischen Gerlingen ein Baum auf ein Auto und tötete den Beifahrer. Der Fahrer wurde leicht verletzt. Bei Rottweil wurde ein 24-jähriger Jogger von einem Baum erschlagen.
An der Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern gab es am Samstagnachmittag bereits Böen mit Windgeschwindigkeiten bis zu 109 Stundenkilometern. Betroffen ist auch das Elbegebiet und Hamburg. Wegen des Hochwassers werde am Sonntagvormittag der Fährverkehr zu den Nordseeinseln Amrum und Föhr unterbrochen, hieß es.
Auf dem Rhein-Main-Flughafen in Frankfurt hatten am Samstag zahlreiche Flieger stundenlange Verspätungen, da die Flugsicherung auf Grund des Windes die Zeitabstände zwischen den Starts erhöht hatte.
Das Windfeld reicht vom Nordkap bis Barcelona"
Auch für den Thüringer Wald wurde eine Sturmwarnung herausgegeben. Dort könnten Böen mit einem Tempo von 120 Stundenkilometern auftreten, sagte ein Meteorologe am Samstag in Leipzig. "Das ist ein Riesending. Das Windfeld reicht vom Nordkap bis Barcelona", sagte der Wetterkundler.
Der Wetterdienst meteomedia warnte, das Tief könne sich in der Nacht zu einem Orkantief mit ähnlichen Windgeschwindigkeiten wie der Orkan "Anatol" entwickeln, der Anfang Dezember über Nordeuropa hinweggefegt war. "Anatol" hatte schwere Schäden vor allem in Dänemark und Deutschland verursacht und mindestens 20 Menschen das Leben gekostet. Am Sonntagvormittag sollte sich die Lage wieder beruhigen. Dabei bringe "Kerstin" neben starken Regenschauern nach wie vor kühle Temperaturen um den Gefrierpunkt in den Norden.
Im Flachland erreicht der Wind wahrscheinlich Geschwindigkeiten von 110 Kilometern in der Stunde. Am Montag wird es dann mild, aber nass: "Wolkenlücken erwarten wir nur im äußersten Norden und Süden", sagte Meteorologin Petra Fechner von Deutschen Wetterdienst. Zur Wochenmitte steigen die Temperaturen weiter an, die Schauer lassen nach.
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