"Erbe des Kommunismus" erschwert Umweltschutz: Umweltgipfeltreffen der Donaustaaten in Bukarest
zuletzt aktualisiert: 29.04.2001 - 17:30Bukarest (rpo). Politiker aus 16 Staaten des Donau-Karpaten-Raums haben am Sonntag in der rumänischen Hauptstadt Bukarest zweitägige Beratungen über den Umweltschutz in der Region begonnen. Das Treffen fand unter dem Motto "Grünes Licht für Europa" statt.
In seinem Grußwort betonte Rumäniens Ministerpräsident Adrian Nastase, dass die meisten dieser Staaten immer noch mit "dem Erbe der kommunistischen Industrialisierung" zu kämpfen hätten, "die keine umweltpolitischen Maßstäbe gehabt hat".
Mitveranstalter der Tagung ist neben der rumänischen Regierung die internationale Umweltschutz-Organisation World Wide Fund for Nature (WWF). Als größte Verschmutzer der Donau nannten Experten besonders auch fehlende Kläranlagen in den Anrainerstaaten am Unterlauf. Hinzu kamen die Verschmutzungen durch das Cyanid-Unglück Anfang 2000 im nordwestrumänischen Baia Mare und durch die Bombenangriffe während des Kosovo-Kriegs im Frühjahr 1999.
Der WWF bekräftigte, dass damals die Zerstörungung der Raffinerie in Pancevo und des Chemiewerks in Novi Sad die Donau nachhaltig mit Schwermetallen und Erdölprodukten verschmutzt habe. WWF-Insider berichteten am Rande der Tagung, dass es Überlegungen gebe, deswegen offiziell die NATO als Mitverantwortlichen zu benennen. Eine entsprechende Entscheidung sei jedoch bisher nicht getroffen worden.
Einigkeit herrschte bei der Tagung, dass die Umweltprobleme in der Region nur durch mehr entsprechende Investitionen gelöst werden können. Vertreter der Weltbank verlangten, dass zur Verwaltung entsprechender Gelder ein institutioneller Rahmen geschaffen werden müsse. Die Weltbank hat bereits Renaturierungsprogramme im Donaudelta finanziert.
Auf Anregung des WWF haben Rumänien und Bulgarien begonnen - wie zuvor schon andere Donau-Anrainer - die Auwälder entlang des Flusses wieder zu ihrem natürlichen Zustand zurückzuführen. Besonders Bulgarien, hieß es seitens des WWF, habe begonnen, die untypischen Pappel-Plantagen in den Auen zu reduzieren und wieder Weiden und Eichen zu pflanzen.
Für diesen Montag ist ein Treffen der Staatschefs der Konferenzteilnehmerstaaten mit dem WWF-Ehrenvorsitzenden, Prinz Philip, dem Ehemann der britischen Königin, geplant. Erwartet wurden die Staatspräsidenten Rexhep Meidani (Albanien), Petar Stoianov (Bulgarien), Stipe Mesic (Kroatien), Boris Trajkowski (Mazedonien), Rudolf Schuster (Slowakei), Leonid Kutschma (Ukraine) und Vladimir Voronin (Moldawien). Der ebenfalls eingeladene jugoslawische Präsident Vojislav Kostunica hat kurzfristig abgesagt.
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