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Genf
UN: Assad tötet systematisch Häftlinge

Genf. 260.000 Menschen sollen dem syrischen Bürgerkrieg zum Opfer gefallen sein. Von Jan Dirk Herbermann

Folter, Vergewaltigung, Mord: Ermittler der Vereinten Nationen (UN) werfen dem syrischen Assad-Regime vor, in Gefängnissen systematisch Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verüben. Ziel sei die "physische Vernichtung" der Gegner oder der vermeintlichen Gegner des Regimes. Die Gefangenen hätten "unvorstellbare Misshandlungen" zu erdulden, sagte gestern der Vorsitzende der Ermittlungskommission des UN-Menschenrechtsrates, Paulo Sérgio Pinheiro.

In den Kerkern Baschar al Assads starben dem Bericht zufolge auch Frauen und Kinder. Die Kommission beschuldigt aber auch Rebellen und Terrormilizen wie den Islamischen Staat (IS) Gefangene zu ermorden. Ein Massaker des IS sticht besonders hervor: Die Terroristen setzten im August 2014 mehr als 200 Assad-Soldaten fest, verschleppten sie in die Wüste, um sie dort zu erschießen. Insgesamt seien im Zeitraum von März 2011 bis November 2015 "Tausende Gefangene" in Lagern des Regimes, der Rebellen und der Terroristen getötet worden. Da die Kommission nicht in Syrien ermitteln darf, ist sie vor allem auf Zeugenaussagen angewiesen. Die meisten belastenden Hinweise sammelte die Kommission gegen Machthaber Assad.

Seine Folterknechte sollen mit gnadenloser Brutalität vorgehen: Der Report schildert Misshandlungen wie die Verstümmelung von Genitalien - oder das stundenlange Hängen eines Mannes an seinen Handgelenken, während ihn die Peiniger mit glühenden Metallstangen quälen. Andere Festgehaltene werden erschossen - ohne jegliche juristische Verfahren.

Angesichts dieser Grausamkeiten verlangte die Uno-Kommission eine harte Bestrafung der Verantwortlichen. Um diesen Prozess zu beschleunigen, fertigten die Ermittler mehrere Listen mit mutmaßlichen Tätern an. Diese Listen sollen in Strafverfahren eingesetzt werden - falls es jemals zu einer juristischen Aufarbeitung der Taten kommt.

Nach Schätzungen wurden im syrischen Bürgerkrieg bisher 260.000 Menschen getötet.

Quelle: RP
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