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Genf
UN ermitteln wegen Angriffen auf Flüchtlingslager in Syrien

Genf. Die Luftangriffe auf Flüchtlinge markieren eine neue Stufe der Grausamkeit in Syriens Bürgerkrieg. Weltweit löste das Vorgehen scharfe Kritik und Empörung aus. "Wer so handelt, gefährdet alle Grundlagen einer friedlichen Lösung des Konflikts", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts. Hohe Repräsentanten der Vereinten Nationen zeigten sich gestern schockiert über die "abscheulichen Verbrechen". Der Uno-Hochkommissar für Menschenrechte, Seid Ra'ad al Hussein, will es nicht bei verbalen Verurteilungen belassen, sondern Ermittlungen aufnehmen. Bei den Attacken im Nordwesten Syriens mit Dutzenden Opfern handele es sich wahrscheinlich um Kriegsverbrechen, erklärte der Uno-Hochkommissar. Seine Behörde und andere Organisationen würden alles in ihrer Macht Stehende unternehmen, um die Verantwortlichen zu überführen.

Die Zeltsiedlungen mit Bürgerkriegsflüchtlingen an der syrisch-türkischen Grenze seien aus der Luft gut zu erkennen gewesen. Deshalb sei es "extrem unwahrscheinlich, dass die mörderischen Attacken ein Unfall waren", unterstrich Seid. "Es ist viel wahrscheinlicher, dass es absichtlich geschah", betonte der Jordanier. Auch der Uno-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien prangerte die Angriffe an und verlangte Ermittlungen. Die beiden Uno-Repräsentanten bezogen sich auf Berichte, wonach mindestens 30 Menschen bei den Angriffen getötet wurden. Mehr als 80 Flüchtlinge erlitten Verletzungen. Unter den Opfern befanden sich viele Frauen und Kinder. Die Menschen waren vor den Gefechten in Syrien geflohen.

Zunächst gab es keine unabhängigen Erkenntnisse darüber, wer für den Luftangriff verantwortlich ist. Syriens Opposition machte das Assad-Regime für die Bombardierung verantwortlich. Syriens Militär wies hingegen jede Verantwortung für den Luftangriff zurück. Entsprechende Meldungen seien nicht richtig, erklärte die Armeeführung nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana. Vielmehr gebe es Informationen, dass "Terrororganisationen" absichtlich zivile Ziele attackiert hätten. In den vergangenen Wochen waren zivile Einrichtungen immer wieder das Ziel von Luftschlägen. Vor allem Krankenhäuser wurden getroffen.

Das Lager liegt in der Provinz Idlib, die bisher im Wesentlichen von Syriens Luftwaffe und ihrem engen Verbündeten Russland angegriffen wurde. Die US-geführte internationale Koalition ist normalerweise weiter im Osten gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Einsatz. Syriens Opposition besitzt keine Luftwaffe. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, Russland und die russische Luftwaffe in Syrien benähmen sich äußerst verantwortungsvoll, um der brüchigen Atmosphäre des Waffenstillstands nicht zu schaden.

(jdh/dpa)
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