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Calais
UN: Kinderrechte in Calais verletzt

Calais. Junge Flüchtlinge hatten keinen Zugang zu medizinischer Versorgung.

Die Vereinten Nationen (UN) werfen Frankreich und Großbritannien Kinderrechtsverletzungen im Flüchtlingslager von Calais vor. Die Interessen von Minderjährigen seien besonders bei der Räumung des Lagers in der vergangenen Woche völlig missachtet worden, kritisierte das UN-Kinderrechtskomitee gestern in Genf. Frankreich und Großbritannien müssten sich unverzüglich um jene Minderjährigen kümmern, die nach der Räumung in Schiffscontainern Zuflucht gesucht haben oder unter freiem Himmel schlafen.

Meinungsverschiedenheiten zwischen der französischen und der britischen Regierung darüber, wer für die minderjährigen Flüchtlinge verantwortlich sei, hätten zu erheblichen Verletzungen ihrer Rechte geführt, kritisierten die UN-Vertreter. So seien Hunderte Kinder nicht angemessen untergebracht worden und hätten keinen Zugang zu medizinischer Versorgung oder psychosozialer Unterstützung gehabt.

Gestern wurde erst rund die Hälfte der Minderjährigen mit Bussen aus Calais weggebracht. Die restlichen 750 sollten spätestens heute in anderen Regionen Frankreichs unterkommen. "Wir hoffen, dass wir die Aufnahme in den Zentren bis zum Ende der Woche abgeschlossen haben", sagte ein Sprecher der Präfektur. Die unbegleiteten jungen Migranten werden in Aufnahmezentren gebracht, wo britische Beamte anschließend prüfen sollen, ob sie nach Großbritannien einreisen dürfen.

Für junge Flüchtlinge, die allein unterwegs sind, gelten spezielle Asylregeln. Paris und London hatten eine Vereinbarung geschlossen, nach der unbegleitete Minderjährige nach Großbritannien einreisen können, wenn sie dort bereits Familienangehörige haben.

Im Rahmen dieser Kooperation sind nach Angaben des britischen Innenministeriums bisher mehr als 300 Kinder und Jugendliche über den Ärmelkanal gelangt. Einige hundert sollen noch hinzukommen. "Wir fühlen uns absolut verpflichtet, die Kinder in Calais zu beschützen", teilte Innen-Staatssekretär Robert Goodwill gestern mit. Aus Frankreich hatte es immer wieder Druck auf London gegeben, möglichst viele Minderjährige aufzunehmen. Präsident François Hollande hatte am Dienstag erklärt, die französischen Behörden würden sich um diejenigen kümmern, die London nicht aufnehme. Calais ist seit Jahren ein Sammelpunkt für Menschen, die illegal nach Großbritannien gelangen wollen.

Quelle: RP
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