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Athen
UN: Umstände in griechischen Flüchtlingslagern erbärmlich

Athen. Die Regierung ist aber mit der Unterbringung überfordert.

Trotz der problemlosen Räumung des wilden Lagers von Idomeni und der ordentlichen Unterbringung Tausender von Migranten in festen Unterkünften erntet Athen erneut Kritik. Denn nunmehr nehmen Hilfsorganisationen die Lebensbedingungen der Migranten in den neuen staatlichen Unterkünften ins Visier. Dort seien die Umstände erbärmlich, heißt es von den UN, die eine rasche Verbesserung der Situation fordern.

Im Terminal des früheren Athener Flughafens Ellinikon etwa hausen fast 4000 Menschen unter unzumutbaren Bedingungen, darunter Hunderte Familien mit kleinen Kindern. Selbst in dem Vorzeigecamp Schisto im Westen Athens, das von der Armee betrieben wird, leben die Menschen in Zelten, die nicht beheizt werden können.

Viel zu lange hat sich die griechische Regierung darauf verlassen, die aus der Türkei über die Ägäis kommenden Flüchtlinge einfach durchwinken zu können. Mit der Schließung der Grenzen auf dem Balkan Ende Februar ist Griechenland von einer Durchgangs- zur Endstation geworden. Die Regierung aus Links- und Rechtspopulisten ist mit der Unterbringung und Versorgung der rund 54.000 Flüchtlinge im Land heillos überfordert. "Die griechischen Behörden müssen mit der von der Europäischen Union bereitgestellten finanziellen Unterstützung rasch Alternativen finden", sagte UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming. Doch fehlt es an politischen Konzepten. Die griechische Regierung verdrängt bisher den Gedanken, dass Zehntausende Flüchtlinge auf Jahre, möglicherweise sogar dauerhaft im Land bleiben werden. Das Wort Integration kommt bisher in der griechischen Flüchtlingsdebatte überhaupt nicht vor. Es gibt weder Schulunterricht für die Flüchtlingskinder noch Bildungsangebote für die Erwachsenen, nicht einmal Sprachkurse.

Griechische Medien hatten gestern zudem ausgerechnet, dass von den rund 9000 Bewohnern des Lagers von Idomeni bei der Räumungsaktion im Laufe der Woche lediglich rund 5000 in die Busse gestiegen seien. Auch die Behörden wüssten nicht, wohin rund 4000 Menschen verschwunden seien. Viele könnten sich in nahegelegenen Wäldern westlich des Camps von Idomeni versteckt haben.

(dpa/höh)
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