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Aktueller Unicef-Bericht
Jedes zehnte Kind wächst im Krieg auf

Berlin. In Kriegsgebieten erleben weltweit mehr als 230 Millionen Kinder Unsicherheit, Hass und Gewalt. Die Hilfsorganisation Unicef sagt in einem aktuellen Bericht voraus, dass die Zahl in den nächsten Jahren weiter steigen wird. Von Rena Lehmann

In den Krisenregionen der Welt leiden vor allem die Schwächsten. Jedes zehnte Kind lebt derzeit in Kriegsgebieten - und die Zahl wird in den nächsten drei Jahren steigen. Kinder werden besonders häufig Opfer von Gewalt und Missbrauch oder sogar selbst zum Dienst an der Waffe gezwungen. Um den militärisch überlegenen Gegner moralisch zu schwächen, brechen Terrorgruppen das Völkerrecht. Das geht aus dem aktuellen Bericht des Kinderhilfswerks Unicef hervor.

Experten nennen das asymmetrische Kriegsführung. Unicef hat beobachtet, dass vor allem in Syrien, im Irak, im Südsudan und in der Zentralafrikanischen Republik Gewalt gegen Kinder ausgeübt wird. Extrem gefährdet sind sie aber auch in Afghanistan, in Somalia, im Sudan, im Kongo und im Jemen. 2014 waren Kinder in 23 Konfliktregionen schwersten Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Die Vereinten Nationen zählen 59 Konfliktparteien - davon acht Truppen der Regierung und 51 nicht-staatliche Gruppen. "Extreme Gewalt gegen Kinder erreichte im vergangenen Jahr ein unerhörtes Ausmaß", steht in dem Bericht. Mädchen und Jungen wurden "zur Zielscheibe von Gewalt, um ganze Bevölkerungen zu terrorisieren und um weltweit Schrecken zu verbreiten".

230 Millionen Kinder verbringen ihre ersten Lebensjahre in einem unsicheren Umfeld ohne garantierte Versorgung mit Nahrung und medizinischer Hilfe. Seit 2012 haben sich neue Gruppen wie die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gegründet, die ein überwunden geglaubtes Problem wiederaufleben lassen: Der IS missachtet einerseits das Völkerrecht, übt aber gleichzeitig eine große Faszination auf Jugendliche aus, sich ihm anzuschließen. Nach der Logik der Terrormiliz sind Kinder "kleine Erwachsene". Es ist erlaubt, sie auszubeuten.

Tief traumatisiert sind etwa Kinder, die Opfer sexueller Gewalt wurden. "Sie weinen viel, sie haben Alpträume, können kaum sprechen", sagt eine Betreuerin in einem Hilfszentrum im Kongo. Die Überfälle auf Mädchen und Frauen seien häufig so brutal, dass viele Opfer schwere innere Verletzungen davontragen. Die Sterblichkeitsrate von Kindern ist dem Bericht zufolge im afrikanischen Angola am höchsten, gefolgt von Sierra Leone, dem Tschad und Somalia.

Die Zahl der rekrutierten Kindersoldaten bezifferte Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) auf weltweit 300 000 Kinder. Er kündigte an, dass Deutschland sich in diesem Jahr noch stärker als bisher an der Unicef-Hilfe für Flüchtlingskinder beteiligen will. 2014 hat Deutschland 150 Millionen Euro gezahlt, davon wurde unter anderem 100 000 aus Syrien geflüchteten Kindern im Libanon der Schulbesuch ermöglicht. "Ich gehe davon aus, dass wir diesen Betrag in diesem Jahr erhöhen", sagte Müller.

Jürgen Heraeus, Vorsitzender von Unicef Deutschland, betonte außerdem, dass die Spendenbereitschaft in Deutschland zwar hoch sei. Krisenregionen wie Syrien und der Irak würden jedoch sehr viel weniger davon profitieren als Gebiete, die von Naturkatastrophen betroffen seien, wie etwa Nepal.

Quelle: RP
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