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Gewalt an Hauptschulen: Union fordert hartes Durchgreifen

VON GREGOR MAYNTZ - zuletzt aktualisiert: 03.04.2006 - 09:35

Berlin (RP). Wiewohl die Schulen Sache von Bürgermeistern und Landesministern sind, könnte sich der Eklat um die Berliner Rütli-Hauptschule zur Chefsache auch für Bundeskanzlerin Angela Merkel entwickeln. Sie hatte sich bereits am Freitag zu dem Hilferuf der Hauptschullehrer im Bezirk Neukölln zu Wort gemeldet und SPD-Bildungssenator Klaus Böger Versäumnisse vorgeworfen.

Der hatte erst nach Wochen auf die Kapitulationserklärung der Lehrerschaft gegenüber der Schülergewalt reagiert. Die Schülerschaft besteht zu 80 Prozent aus Migranten. Führende Unionspolitiker regten einen „Integrationsgipfel“ an, auf dem ein Aktionsplan beschlossen werden soll.

Die Rütli-Schule zeigt nach den Worten von Unions-Fraktionschef Wolfgang Kauder, „wie sehr sich die Realität gerade in den Großstädten von der naiven Vorstellung multikultureller Straßenfestromantik entfernt hat“. Erste mögliche Einigungen bei einem solchen Gipfel ließen sich aus Interview-Äußerungen auch schon herauslesen. So plädierte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil: „Wir sollten dafür sorgen, dass in fünf Jahren kein Kind mehr auf eine deutsche Schule kommt, ohne die deutsche Sprache zu sprechen.“ Ähnlich CSU-Chef Edmund Stoiber: „In Zukunft muss gelten: Kinder, die nicht Deutsch können, werden nicht in eine deutsche Schule eingeschult.“

Stoiber verlangte darüber hinaus Sanktionen für alle Ausländer, die sich der Integration verweigern. Dies müsse von der Kürzung von Sozialleistungen bis hin zum Entzug der Aufenthaltserlaubnis reichen: „Wer sich nicht in Deutschland integriert, muss unser Land wieder verlassen und in seine Heimat zurückgehen“, unterstrich er. Deutschland dürfe Integration nicht nur fordern, sondern müsse sie auch durchsetzen.

"Anreiz und Strafe"

Auf eine Mischung aus Anreiz und Strafe setzt Stuttgarts CDU-Ministerpräsident Günther Oettinger. Er stellt sich vor, jedem jungen Vater und jeder jungen Mutter einen Gutschein für Elternbildungskurse zu schenken. Arbeitslosengeld könne an die Verpflichtung geknüpft werden, Deutsch zu lernen. Regelmäßige Elternabende und Erziehungsgespräche sollten auch zu den Vorgaben gehören.

Während sich diese Vorschläge mehr auf die Vorbeugung richten, verlangen Unionspolitiker im Umgang mit Schulgewalt ein hartes Durchgreifen. Brandenburgs CDU-Innenminister Jörg Schönbohm regte eine Art „Schnupperknast“ für jugendliche Gewalttäter an. Diese sollten für ein paar Tage in einem Jugendgefängnis unter Arrest gestellt werden. Der Berliner CDU-Generalsekretär verlangte, das Kindergeld für gewalttätige Jugendliche zu kürzen oder ganz zu streichen. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) forderte, besonders aggressive Schüler künftig in Internaten unterzubringen.

Der Berliner CDU-Spitzenkandidat Friedbert Pflüger sprach sich dafür aus, Problemkinder auf mehrere Schulen zu verteilen. Dagegen fragte SPD-Regierungschef Klaus Wowereit, „ob es nicht besser wäre, Hauptschulen und Realschulen zusammenzulegen oder sie in Gesamtschulen umzuwandeln“. In ihrem Brandbrief hatten die Lehrer der Rütli-Schule vorgeschlagen, ihre Einrichtung „in dieser Zusammensetzung“ aufzulösen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft erneuerte ihre Forderung, die Hauptschulen durch eine einheitliche Schule zu ersetzen. SPD-Vizekanzler Franz Müntefering bezweifelte, ob schon nach vier Grundschuljahren entschieden werden könne, welche Schulform für die Kinder danach die beste sei. Es müsse ein Weg gefunden werden, dass ein Teil der Kinder nicht schon so früh „abgenabelt“ werde.

Die Befürchtung, dass die Zustände in der Rütli-Schule nur die Spitze des Eisberges sein könnten, bestätigte sich durch die Schilderung aus weiteren Hauptschulen. Auch in einer Schule im Problembezirk Wedding verfassten Lehrer einen Hilferuf wegen der dort herrschenden „anarchischen Situation“. Aus dem eher gutbürgerlichen Charlottenburg wurde ein Vorfall bekannt, wonach offenbar ein arabischstämmiger Jugendlicher bis zu 15 gewaltbereite Landsleute in die Schule rief, die einen schwarzen Schüler zusammenschlagen sollten. Lehrer konnten das mutmaßliche Opfer schützen, nicht aber einen anderen Schüler, der statt dessen verprügelt worden sei.

Quelle: alfa

 
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