Ein Polizist durch Rohrbombe verletzt: Unruhen in Belfast gehen weiter
zuletzt aktualisiert: 04.09.2001 - 13:33London/Belfast (rpo). Unter dem Begleitschutz von Polizei, Militär, Priestern und Eltern sind am Dienstag 45 nordirische Schulmädchen ungehindert in ihre katholische Grundschule im Norden von Belfast gelangt. In dem überwiegend von Protestanten bewohnten Viertel demonstrierten erneut etwa 200 aufgebrachte Protestanten dagegen, dass die Kinder durch ihre Straße zur Schule des "Heiligen Kreuzes" gehen.
Bei Zusammenstößen zwischen der Polizei und den wütenden Demonstranten wurde ein Beamter durch die Explosion einer Rohrbombe verletzt, teilte die Polizei am Dienstag mit. In der Nacht zum Dienstag waren in dem betroffenen Unruhe-Stadtteil Ardoyne 21 Beamte verletzt worden.
Zahlreiche Eltern hatten sich nach einem Treffen mit Schulvertretern am Montagabend entschlossen, ihre Kinder auf einem Umweg in die Schule zu bringen. Andere bestanden jedoch darauf, die Mädchen im Alter von bis zu elf Jahren auf dem "traditionellen Weg" in die Schule zu begleiten.
Am Montag - dem ersten Schultag nach den Ferien - hatten sich vor dem Schultor hässliche Szenen abgespielt. Weinend und deutlich traumatisiert hatten sich die Mädchen den Weg durch ein Spalier protestantischer Anwohner bahnen müssen. Aus den Reihen der laut schreienden Demonstranten hagelte es Wurfgeschosse.
Noch lange keine "normale Situation"
Schulleiterin Anne Tanney zeigte sich am Dienstag erleichtert, dass den Kindern auf Grund verstärkter Sicherheitsmaßnahmen ein weitgehend ungehinderter Schulbesuch ermöglicht wurde. Von einer "normalen Situation" könne man aber noch lange nicht sprechen. Lisa Irvine, Mutter der neun Jahre alten Shannon, sagte: "Ich bin froh, dass Shannon in der Schule ist. Aber ich bin zugleich traurig, dass diese Menschen so viel Bitterkeit empfinden."
Gerry Kelly von der katholischen Partei Sinn Fein erklärte, der Polizeischutz für Schulkinder sei für ihn keine Lösung. "Sie (die Kinder) wollen nicht, dass die nordirische Polizei oder britische Soldaten sie in die Schule begleiten. Sie haben ein Recht darauf, diese Straße zu benutzen."
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