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Wall Street im Umschwung: Unübersehbare Nervosität bestimmt derzeitige Stimmung

zuletzt aktualisiert: 23.02.2000 - 14:26

New York (dpa). Die Wall Street, das weltgrößte Finanzzentrum, befindet sich in einem grundlegenden Wandel. Die auf Hochtouren laufende US-Konjunktur, niedrige Inflationsraten und solide Unternehmensgewinne haben die Superhausse an der Wall Street seit Jahren angeheizt. Der Dow-Jones-Index hat sich seit 1982 mehr als verzehnfacht, und der Sammelindex der elektronischen NASDAQ-Börse ist seit 1995 um mehr als 900 Prozent gestiegen.

Derzeit herrscht jedoch nach dem langen Höhenflug der amerikanischen Aktienkurse und auf Grund der steigenden US-Zinsen unübersehbare Nervosität im Mekka der Finanzwelt. Der Dow-Jones-Index ist seit Jahresbeginn 2000 zeitweise um rund neun Prozent gefallen, nachdem er im Vorjahr um etwa mehr als 25 Prozent gestiegen war. Der Standard & Poor's 500-Index, in dem sich die Kursentwicklung von 500 der wichtigsten US-Großkonzerne widerspiegelt, gab seit Anfang Januar um fünf Prozent nach. Er hatte sich 1999 um knapp 20 Prozent erhöht.

Der Sammelindex der riesigen elektronischen NASDAQ-Börse, an der zahlreiche Technologie- und Internetwerte dominieren, hatte im Januar starke Rückschläge hinnehmen müssen. Das wichtige Börsenbarometer hat aber trotzdem seit Anfang 2000 wieder zugelegt. Der NASDAQ-Index war 1999 um gut 85 Prozent in die Höhe geschossen.

Die amerikanischen Kleinanleger tragen zu dem Höhenflug der Börsen bei. Die Hälfte der US-Haushalte besitzen inzwischen Aktien und Investmentfondsanteile. Die Prognosen der Wall-Street-Gurus reichen für das Jahresende 2000 von 10 000 bis 14 000 Dow-Punkten. Wall- Street-Skeptiker verweisen auf die teilweise astronomischen Bewertungen vieler US-Aktien. Sie halten nach vier Leitzinserhöhungen seit Juni 1999 weitere Bremsmaßnahmen der Währungshüter für wahrscheinlich.

An der internationale Leitbörse Wall Street waren erste Geschäfte mit Wertpapieren vor mehr als 200 Jahren unter einer Plantane im Freien gemacht worden. Dort wurde die New Yorker Börse 1792 gegründet. Es wurden zunächst nur fünf Aktien gehandelt. Inzwischen platzt die Mammutbörse in ihrem neoklassizistischen Hauptquartier wieder einmal aus den Nähten.

203,9 Milliarden Aktien gehandeltAn der New Yorker Börse sind Aktien von 3.025 führenden amerikanischen und ausländischen Unternehmen notiert. 1999 wurden dort 203,9 Milliarden Aktien gehandelt. Der Jahresumsatz betrug 8,9 Billionen Dollar (knapp 17,4 Bio DM). Der Gesamtwert der an der New Yorker Börse notierten Aktien beträgt rund 16,8 Billionen Dollar.

Die elektronische NASDAQ-Börse wurde erst 1971 gegründet. Sie hat kein Börsengebäude, sondern an ihr Computer-Handelssystem sind die Handelshäuser direkt elektronisch angeschlossen. An der NASDAQ sind die Aktien von 4 798 Unternehmen notiert. Das NASDAQ-Umsatzvolumen betrug 1999 rund elf Billionen Dollar. Es wurden 272,6 Milliarden Aktien gehandelt. Der Gesamtwert der dort notierten Aktien liegt bei rund 5,4 Billionen Dollar.

Längere ÖffnungszeitenDie American Stock Exchange (Amex) in New York verblasst hingegen größenmäßig gegenüber den beiden führenden US-Börsen. Die Amex ist vor einiger Zeit vom Dachverband der US-Wertpapierhändler geschluckt worden, dem auch die NASDAQ gehört. Die NASDAQ und die Amex kooperieren seither eng miteinander. Den US-Börsen machen inzwischen die so genannten "ECNs" (Electronic Communications Networks) immer stärkere Konkurrenz. Dabei handelt es sich um unabhängige elektronische Handelssysteme für Aktien, die wie Pilze aus dem Boden schießen.

Die New Yorker Börse und die NASDAQ werden sich in Zukunft mit Umstrukturierungen, mit längeren Öffnungszeiten und mit einer bald erwarteten Umwandlung in Aktiengesellschaften gegenseitig noch schärfere Konkurrenz machen. Sie wollen so auch auf die Herausforderung der ECN-Handelsysteme reagieren und sich Kapital für Modernisierungen sowie für Allianzen mit anderen Finanzmärkten im In- und Ausland beschaffen.

Quelle: RPO Archiv

 
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