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Incirlik
Von der Leyen besucht Bundeswehr in der Türkei

Ursula von der Leyen besucht Bundeswehr in der Türkei
FOTO: dpa, yvonne albert tba
Incirlik. Deutsche Tornados bekämpfen in Syrien die Fluchtursachen, sagt die Ministerin. Piloten berichten ihr von mulmigem Gefühl über IS-Gebiet. Von Gregor Mayntz

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat das Bundeswehr-Kontingent in der Türkei besucht. Seit knapp zwei Wochen beteiligen sich die Deutschen am internationalen Einsatz gegen den IS. Bis gestern lieferten sechs deutsche Tornados von 34 Flügen Aufklärungsbilder aus Syrien; ein Airbus betankte in der Luft 33 Jets der internationalen Koalition. "Wir sind hier nicht im Pfadfinderlager, das ist ein Kriegseinsatz", sagt Oberstleutnant Gero von Fritschen.

Obwohl die Jets nur Waffen zur Selbstverteidigung dabeihaben und sich nicht direkt an den Bombardierungen beteiligen, ist die Bundeswehr im innersten Kreis derjenigen angekommen, die im Kampf gegen den IS mit besonderem Engagement zur Sache gehen. Und deshalb gefällt von der Leyen auch ein Wort besonders: "wir". "Wir werden uns dem Terror nicht beugen", sagt sie. Und: "Wir sind gemeinsam hier, um die Fluchtursachen zu bekämpfen." Und vor allem spricht sie von "unserem gemeinsamen Kampf gegen den Terror".

Natürlich hätten die deutschen Piloten ein "mulmiges Gefühl", sagt Kommodore Michael Krah, wenn sie über IS-Gebiet flögen. Die meisten IS-Waffen erreichen die Flughöhe der Jets ab 3000 Metern nicht. Aber einige schon, und deshalb seien die Besatzungen vorbereitet, könnten Täuschkörper ausstoßen - und sich im Notfall an eine US-"Rettungskette" klammern, die binnen drei Stunden die Kameraden raushauen soll.

Nicht nur diese Gefahr gehört zu den Problemen des Einsatzes. Das wird klar, als die Ministerin und ihr türkischer Kollege Ismet Yilmaz den Kampf gegen den Terror beschwören. Von der Leyen spricht stets vom IS; Yilmaz sagt, Entschlossenheit sei wichtig, "egal unter welchem Namen der Terror ausgeübt wird". Da sind sie, die in Deutschland verbreiteten Befürchtungen, deutsche Aufklärungsbilder könnten den Türken ihre Angriffe auf kurdische Stellungen erleichtern. Von der Leyen verweist auf deutsche Verbindungsoffiziere, die die "rote Karte" ziehen, wenn es Aufträge gibt, die nichts mit dem Anti-IS-Feldzug zu tun haben.

Morgens und nachmittags starten die deutschen Jets, fliegen zu den vom Hauptquartier in Katar angegebenen Sektoren, und schon 100 Kilometer vor der Landung treffen die elektronischen Bilder bei den Auswertern in Incirlik ein. Zum Beispiel gestern: Es muss geklärt werden, ob eine bestimmte Straße in Syrien befahrbar ist. Dann kommt die Information, dass zwei Straßensperren existieren und wie man diese umfahren kann. Zu sehen ist auch eine Moschee. Auch die kommt in Katar in die Angriffsplanungen: als Objekt, das zu meiden ist. Was die Auswerter an Details liefern, erschließt sich ihnen im Gesamtzusammenhang jedoch nicht immer. Da müssen sie sich darauf verlassen, dass die Rote-Karte-Inhaber kritische Aufträge, etwa in Kurdengebieten, abwehren.

Die Deutschen treffen auf eine Türkei, die offenbar umdenkt. Anfangs an Erfolgen des IS im Kampf gegen das Assad-Regime interessiert, kommt sie nun zu der Erkenntnis, dass der IS die ungleich größere Bedrohung ist. Gerade haben die Sicherheitskräfte ein IS-Attentat an Silvester verhindert, eine Reihe weiterer konnte in anderen Städten vereitelt werden, nicht aber der Anschlag in Istanbul, dem zehn deutsche Touristen zum Opfer fielen. Yilmaz drückt von der Leyen das tief empfundene Mitleid aus.

Quelle: RP
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