Französische Irak-Politik "unverzeihlich": US-Abgeordneter führt Feldzug gegen Frankreich
zuletzt aktualisiert: 07.03.2003 - 17:38Washington (rpo). Jim Saxton war noch nie in Frankreich. Er verspürt aber eine deutliche Aversion gegen das Land, zumindest gegen dessen Irak-Politik. Und deshalb tut er derzeit alles, um Frankreich zu bekämpfen.
In diesem Jahr hat er sich schon für drei Gesetze stark gemacht, um Paris zurechtzuweisen. "Die Franzosen, unsere früheren Verbündeten, die über die Jahre so viel Hilfe von uns bekamen, und von denen wir Mitarbeit in einer vereinten Front erwarteten, haben versagt", sagt Saxton. "Das", so sagt der Mann aus New Jersey, "ist unverzeihlich".
Mit seiner Frankophobie steht er nicht allein im Kongress. Peter King, republikanischer Abgeordneter aus New York, nannte Frankreich ein "zweitrangiges Land", das von künftigen Verteidigungsbündnissen ausgeschlossen werden müsse. Und der republikanische Vorsitzende des Abgeordnetenhauses, Dennis Hastert, erwägt ein Gesetzgebungsverfahren gegen den Handel mit Wein und Mineralwasser aus Frankreich.
Doch keiner schlägt Saxton. Er brachte am 13. Februar den Entwurf für eine nichtbindende "Gesinnungsresolution des Kongresses" ein. Darin werden alle Amerikaner, alle US-Firmen und die Streitkräfte zum Boykott der Pariser Flugshow im Sommer aufgerufen. 19 Kollegen unterschrieben. Zwei Wochen später wollte er dem Verteidigungsministerium per Gesetz untersagen lassen, an an allen Flugshows in Frankreich bis 2007 teilzunehmen.
Diese Woche nun schlug er ein Gesetz vor, nach dem keine französische Firma Geld von den USA erhalten darf, um beim Wiederaufbau Iraks nach einem Krieg mitzuarbeiten. "Wenn Frankreich bei der Entwaffnung Saddam Husseins nicht hilft, dann fliegen sie aus dem gesamten Prozess raus. Das sollten sie begreifen."
Saxton ist seit 18 Jahren Abgeordneter. Er leitet einen Unterausschuss über Terrorismus, unkonventionelle Bedrohungen und Ressourcen und kennt sich in Russland, Osteuropa und dem Nahen Osten bestens aus. In Frankreich war er nur zum Flugzeugwechsel.
Nach seinen Angaben sind die Reaktionen auf seine Initiativen überwältigend. Bedenken kommen indes von der Industrie. Pat McCartan vom Luftfahrtindustrieverband sagt, die Pariser Flugshow sei ein wichtiger Markt für die Rüstungsindustrie. Für sie gelte die Anweisung Bushs, in Paris teilzunehmen, um die Marketing-Chance nicht zu verpassen.
Der französische Botschafter in den USA, Jean-David Levitte, schrieb Saxton einen Brief. Darin erinnert er den streitbaren Republikaner daran, dass Frankreich sich schon an mehreren Militäraktionen der Amerikaner und der Nato beteiligt habe. "Lass uns die Stärke unserer Freundschaft nicht vergessen. Auch wenn wir, wie es bei echten Freunden vorkommt, unsere Meinungsverschiedenheiten haben."
>>> zum Irak-Special
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum

