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Brief-Streit um einen "gerechten Krieg": US-Intellektuelle werfen Deutschen moralische Blindheit vor

zuletzt aktualisiert: 09.08.2002 - 14:49

Washington (rpo). Namhafte amerikanische Intellektuelle haben ihren deutschen Kollegen "moralische Blindheit" vorgeworden. Es geht um einen Brief-Austausch, der seit geraumer Zeit zum Thema "gerechter Krieg" läuft.

Die Amerikaner haben in einem Antwortbrief an deutsche Kollegen die US-Militäraktion in Afghanistan verteidigt. Zugleich warfen sie den Adressaten vor, den Tod von Zivilisten im Afghanistan-Krieg mit der Ermordung der tausenden Amerikaner am 11. September gleichgesetzt zu haben. Das sei "moralische Blindheit", hieß es in dem am Donnerstag in Washington veröffentlichten Text, der von 66 Intellektuellen unterzeichnet wurde.

Dazu gehören zahlreiche namhafte Universitätsprofessoren und Leiter von verschiedenen politischen Instituten, darunter der frühere US-Senator Daniel Patrick Moynihan, der Historiker Francis Fukuyama ("Das Ende der Geschichte") und der Harvard-Professor Samuel Huntington.

Die Gruppe beantwortete einen offenen Brief der deutschen Persönlichkeiten vom Mai unter dem Titel "Eine Welt der Gerechtigkeit und des Friedens sieht anders aus". Die Deutschen hatten wiederum auf ein erstes Schreiben der amerikanischen Seite reagiert, in dem diese den Anti-Terrorkrieg der USA als "gerecht" verteidigten. Ihre US- Kollegen hätten mit keinem Wort den "Massenmord" an 4000 afghanischen Zivilisten erwähnt hätten, monierten die Deutschen. Auch gebe es keine universal gültigen Werte, um die Vergeltung eines Massenmordes wie der Terroranschläge in den USA vom 11. September mit einem anderen zu rechtfertigen.

Zu den Unterzeichnern gehörten der Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter, der Theologe Friedrich Schorlemmer, der Rhetorikprofessor Walter Jens sowie die Autoren Peter Rühmkorf, Christoph Hein und Günter Wallraff.

Die amerikanischen Gelehrten äußerten sich in ihrem Brief vom Donnerstag enttäuscht über die Haltung ihrer deutschen Kollegen, die insgesamt keine "schlüssige moralische Position" zur Frage des Gebrauchs von Waffengewalt präsentiert hätten. Die Amerikaner bekräftigten, dass sie die Militäraktion in Afghanistan nicht nur für moralisch gerechtfertigt hielten, sondern sogar für "moralisch geboten". Sie unterstrichen: "Es ist moralische Blindheit, wenn Sie die unbeabsichtigte Tötung von Zivilisten in einem Krieg, dessen Grund gerechtfertigt ist, und in dem es das Ziel der Soldaten ist, den Verlust von zivilem Leben zu minimieren, mit der beabsichtigten Ermordung von Zivilisten ... durch Terroristen vergleichen, deren oberstes Ziel es ist, die Zahl der Ziviltoten zu maximieren."

Quelle: RPO Archiv

 
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