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Washington
US-Militär tötet in Syrien einen Vertrauten Osama bin Ladens

Washington. Muhsin al Fadhli soll als Anführer des Al-Kaida-Ablegers Chorasan im Norden Syriens Anschläge gegen die USA geplant haben. Die Gruppe kämpft auch gegen den "Islamischen Staat".

Die Terrorgruppe Chorasan war bis Herbst 2014 nur Fachleuten ein Begriff - nach den amerikanischen Angriffen auf ihre Anhänger in Syrien hat sich das geändert. Der Chef der Gruppe, Muhsin al Fadhli, ist nun nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums bei einem Militärschlag in Syrien getötet worden. Chorasan ist eine kleine, aber als hochgefährlich eingeschätzte sunnitische Terrorgruppe, die aus ehemaligen Al-Kaida-Mitgliedern besteht. US-Experten schätzen sie ähnlich gefährlich wie die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) ein. Sie ist eng mit der im syrischen Bürgerkrieg kämpfenden Al-Nusra-Front verwoben.

Al Fadhli sei am 8. Juli in einem Auto bei Sarmada unterwegs gewesen, als er getötet worden sei, berichtete der Pentagon-Sprecher Hauptmann Jeff Davis. Die Stadt liegt etwa 90 Kilometer westlich von Aleppo im Nordwesten Syriens. In Zahra, einem Vorort von Aleppo, hatten Kämpfer der Al-Nusra-Front zuvor ein Gefecht mit den Truppen der Armee geführt.

Chorasan plane in Syrien Anschläge auf die USA und ihre Verbündeten, hieß es aus dem Pentagon. Die Gruppe wird verdächtigt, das Chaos des syrischen Bürgerkriegs auszunutzen, um verdeckt neue Terroranschläge zu planen. Al Fadhli sei einer der wenigen gewesen, die vorab über die Anschläge vom 11. September 2001 in New York und Washington informiert gewesen seien.

Er soll unter dem Dach der Chorasan Dschihad-Veteranen aus Pakistan, Afghanistan, Nordafrika und dem Jemen vereint haben. Zudem soll er ein enger Mitarbeiter des - später von einem US-Militärkommando getöteten - Al-Kaida-Gründers Osama bin Laden gewesen sein. Davis zufolge war der gebürtige Kuwaiter auch mitverantwortlich für die Angriffe 2002 auf US-Marines in Kuwait und auf das französische Schiff "Limburg".

Al Fadhli war bereits im September 2014 Ziel eines US-Luftangriffs gewesen. Zwar hieß es damals in US-Kreisen, der Islamist sei vermutlich getötet worden. Das US-Militär und die Regierung in Washington hatten dies jedoch nicht bestätigt.

Über Rolle und Bedeutung der Terrorgruppe Chorasan wird derweil gestritten. Der Syrien-Experte Aaron Lund von der amerikanischen Carnegie-Stiftung für Frieden hält sie nicht für unabhängig, sondern für ein "Netzwerk in einem Netzwerk". In verschiedenen Berichten wird außerdem die Vermutung geäußert, sie sei von den USA erfunden worden, um die Bombardierung Syriens zu legitimieren. Nusra-Chef Abu Mohammed al Dschaulani sagte vor Kurzem in einem Interview mit dem arabischen Sender Al Dschasira, es gebe gar keine Gruppe mit dem Namen.

Seit Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs haben sich etliche Milizen gebildet, darunter viele mit radikal-islamischer Ideologie. Der IS ist die stärkste Kraft und kontrolliert Gebiete im Norden und Osten des Landes. Mit den Al-Kaida-nahen Gruppen ist er verfeindet. Die Al-Nusra-Front kontrolliert ein kleines Gebiet im Norden Syriens. Sie bekämpft den IS, obwohl sie einer ähnlichen dschihadistischen Ideologie anhängt. Neben Chorasan ist al Nusra auch mit den Extremisten der Ahrar al Scham verbündet.

Einige gemäßigte Rebellen bezeichnen sich als "Freie Syrische Armee" und verteidigen den Süden des Landes gegen die Armee des Machthabers Baschar al Assad. Das Assad-Regime hat nach wie vor Kontrolle über die wichtigsten Städte im Land, darunter auch die Hauptstadt Damaskus. Das Regime kann sich aber nur mit Hilfe verbündeter iranischer Truppen an der Macht halten.

Die Kurdischen Volksschutzeinheiten kontrollieren im Norden Syriens weite Strecken entlang der türkischen Grenze. Sie kämpfen gegen den IS und haben ihm schon einige Niederlagen zugefügt.

Quelle: RP
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