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Potsdam/Düsseldorf
Verdächtiges Paket - Polizei räumt Potsdamer Weihnachtsmarkt

Polizei evakuiert Potsdamer Weihnachtsmarkt
Polizei evakuiert Potsdamer Weihnachtsmarkt FOTO: Christian Pörschmann/dpa
Potsdam/Düsseldorf. Nach dem Fund eines mit Böllern und Nägeln gefüllten Pakets in der Potsdamer Innenstadt hat die Polizei den nahe gelegenen Weihnachtsmarkt evakuiert. Von Martin Bewerunge, Gregor Mayntz und Thomas Reisener

Knapp ein Jahr nach dem verheerenden Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt hat ein verdächtiges Paket in der Nähe des Potsdamer Weihnachtsmarkts Großalarm ausgelöst. Der Markt sowie zahlreiche Geschäfte in der Innenstadt wurden geräumt. In dem Paket, das einer Apotheke geliefert worden war, hatten zuvor Spezialkräfte der Bundespolizei einen "Gefahrenstoff" festgestellt. Später stellte sich nach Angaben von Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) heraus, dass sich Hunderte kleine Nägel und ein sogenannter Polenböller in dem Paket befunden hätten. Es deute aber einiges darauf hin, dass der Inhalt nicht explosionsfähig war, weil kein Zünder gefunden worden sei.

Der Apothekeninhaber sagte den "Potsdamer Neuesten Nachrichten", beim Auspacken habe man "komische Drähte" bemerkt. Daraufhin sei das Paket sofort herausgetragen und die Polizei informiert worden. Das Paket wurde von Spezialisten mit einem Wasserstrahl geöffnet. Es sei möglich, dass weitere Pakete in die Umgebung geliefert worden seien, berichtete der Innenminister. Die Ermittlungen stünden ganz am Anfang.

Die deutschen Weihnachtsmärkte stehen nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden auch in diesem Jahr im Visier radikaler Islamisten. "Die Gefährdungslage in Europa und damit auch in Deutschland ist anhaltend hoch", hatte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums zu Wochenbeginn gewarnt. Am Montag öffneten die Weihnachtsmärkte in zahlreichen deutschen Städten.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) reagierte bestürzt. "Ein einfaches ,Weiter so' kann es nicht geben", sagte Reul am Abend unserer Redaktion. Zugleich warnte er vor hektischen Reaktionen: "Hinweise, die auf eine akute Gefährdung der Weihnachtsmärkte in NRW hinweisen, liegen den NRW-Sicherheitsbehörden derzeit nicht vor."

Das NRW-Innenministerium erwägt als Reaktion auf die Ereignisse in Potsdam nun eine generelle Tragepflicht von schweren Schutzwesten und Maschinenpistolen für Polizeikräfte, die zum Schutz der NRW-Weihnachtsmärkte abgestellt sind. Im Bereich des Essener Polizeipräsidiums sei dies ohnehin vorgesehen. Auch das Polizeipräsidium Köln setze an neuralgischen Zugängen zu Weihnachtsmärkten Polizeikräfte mit Maschinenpistolen ein.

Der NRW-Chef der Polizeigewerkschaft GdP, Arnold Plickert, bittet die Weihnachtsmarktbesucher um Mithilfe. Sie sollen von den sogenannten Info-Points Gebrauch machen, mit denen die Polizei auf den Märkten präsent ist - entsprechend beschriftete Stände oder Einsatzfahrzeuge der Polizei, an denen Passanten auffällige Begebenheiten melden sollen. "Passanten sollten davon lieber zehnmal zu oft als einmal zu wenig Gebrauch machen."

Kurz vor dem Vorfall in Potsdam bezeichneten die Sicherheitsverantwortlichen von Bund und Land die Weihnachtsmärkte gestern als gut gesichert. "Weihnachtsmärkte gehören zu unserem Leben und zu unserer Kultur - das soll auch so bleiben", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière unserer Redaktion. "Achtsam, aber ohne Furcht" sollten die Bürger an ihrer Lebensweise festhalten.

Quelle: RP
 
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