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Schweinemastskandal weitet sich aus: Verfüttert jeder zweite Bauer Antibiotika an Schweine?

zuletzt aktualisiert: 12.02.2001 - 17:17

Münster/Wiesbaden/München (dpa). Der Schweinemastskandal zieht weitere Kreise. Jetzt ermitteln auch die Staatsanwaltschaften in Hessen und Nordrhein-Westfalen wegen unerlaubter Weitergabe von Tier- Arzneimitteln. Bisher waren Ermittlungsverfahren gegen Tierärzte vor allem in Bayern und Baden-Württemberg aber auch in Thüringen und Niedersachsen bekannt geworden. Gegen wen sich die Ermittlungen in NRW richteten teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Münster, Wolfgang Schweer, nicht mit.

Im Schweinemastskandal ermittelt seit dem Wochenende auch das hessische Landeskriminalamt (LKA). Wie das hessische Gesundheitsministerium am Montag in Wiesbaden mitteilte, hätten je ein Tierarzt aus Bayern und aus Thüringen, die der illegalen Abgabe von Antibiotika verdächtigt werden, auch Höfe in Hessen betreut. Ein hessischer Bauer habe Kontakt mit dem bayerischen Tierarzt gehabt, zehn Landwirte mit dem thüringischen. Die Höfe seien über ganz Hessen verstreut, sagte Ministeriumssprecherin Petra Müller-Klepper.

Nach Hinweisen aus Bayern und Thüringen habe das Ministerium zusammen mit dem LKA Kontrollen veranlasst. Zu ersten Ergebnissen und zu den betroffenen Höfen seien nähere Angaben nicht möglich, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Hessens Gesundheitsministerin Marlies Mosiek-Urbahn (CDU) forderte, die Sanktionen bei illegaler Abgabe von Tierarzneimitteln zu verschärfen. Außerdem müssten alle Leistungsförderer im Futter verboten werden.

Nach Informationen des Münchner ARD-Magazins "Report" vom Montag sollen Tierärzte bundesweit illegal Antibiotika an Schweinemäster verkauft haben. Staatsanwalt Detlev Dyballa aus dem niedersächsischen Verden sagte nach Angaben des Magazins: "Wir haben festgestellt, dass rund 250 Tierärzte im gesamten Bundesgebiet - schwerpunktmäßig in Bayern, Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen - derartige Substanzen bezogen haben." Jeder zweite Landwirt setze Antibiotika als Leistungsförderer ein.

Quelle: RPO Archiv

 
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