Haftbefehl wegen versuchten Mordes: Vier Skinheads gestanden Brandanschlag von Ludwigshafen
zuletzt aktualisiert: 20.07.2000 - 18:18Ludwigshafen (AP). Rechtsextreme Skinheads haben aus Fremdenhass den Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim in Ludwigshafen verübt, bei dem am vergangenen Wochenende drei Kinder aus dem Kosovo verletzt wurden. Wie die Polizei Ludwigshafen am Donnerstag mitteilte, haben die Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren die Tat gestanden.
Die Skinheads waren in der Nacht zum Donnerstag von Kripobeamten unter dringendem Tatverdacht festgenommen worden. Gegen alle vier erging Haftbefehl wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und versuchter schwerer Brandstiftung. Wie Polizeisprecher Michael Lindner berichtete, erklärten die vier Tatverdächtigen in der richterlichen Vernehmung, sie hätten aus Fremdenhass gehandelt. Bei den Skinheads handele es sich um zwei Schüler - einen 14-Jährigen aus Frankenthal und einen 15-Jährigen aus Ludwigshafen - sowie zwei 16 beziehungsweise 18 Jahre alte Arbeitslose aus Ludwigshafen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankenthal sind zwei der Skinheads bereits zuvor strafrechtlich in Erscheinung getreten.
Die Täter hatten in der Nacht zum Sonntag einen Brandsatz in das Asylbewerberheim im Stadtteil Ludwigshafen-Oppau geworfen. Der Molotow-Cocktail landete in einer Wohnung, in der eine albanische Familie gerade mit Freunden ihre bevorstehende Heimkehr in den Kosovo feierte. Ein elfjähriges Mädchen erlitt bei dem Anschlag Brandverletzungen an den Beinen und befindet sich seither im Krankenhaus.
Ein zwölfjähriges Mädchen und ein 14-Jähriger Junge waren von einer zersplitterten Glasscheibe an den Händen leicht verletzt worden. Beide wurden ambulant behandelt. Die Täter konnten zunächst unerkannt entkommen. Sie hatten einen weiteren Brandsatz gegen das Gebäude geschleudert, der aber die Fenster verfehlte. Einen dritten Brandsatz warfen die Täter auf der Flucht weg.
Unterdessen forderte der Vorsitzende des Verbands Deutscher Sinti in Rheinland-Pfalz, Jacques Delfeld, von den Polizei- und Justizbehörden ein härteres Durchgreifen gegen rechte Gewalt. "Die fortgesetzten rassistisch motivierten Gewalttaten und Brandanschläge in Rheinland-Pfalz schaffen für die Angehörigen von Minderheiten eine beängstigende Lebenswirklichkeit", sagte Delfeld in Landau. Er erinnerte daran, dass bereits im Mai in Ludwigshafen eine Gedenktafel für die ehemalige jüdische Synagoge und ein Mahnmal für die in der NS-Zeit ermordeten Sinti und Roma geschändet wurden.
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