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Attentäter sprengte sich vor Bar in die Luft: Vier Tote bei Selbstmordanschlag in Tel Aviv

zuletzt aktualisiert: 30.04.2003 - 08:34

Tel Aviv (rpo). Vier Tote und dutzende Verletzte, das ist die Bilanz eines erneuten Terroranschlags in Tel Aviv nur wenige Stunden nach der Vereidigung des neuen palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas.

Nach Angaben von Polizei und Rettungskräften wurden mehr als 40 Personen verletzt.

Der Anschlag ereignete sich gegen 01.00 Uhr vor der vor allem von jungen Leuten besuchten Bar "Mike's Place" an der Strandpromenade der Stadt, unweit der US-Botschaft. Die Fassade des Nachtclubs wurde zerstört. "Der Attentäter sprengte sich am Eingang in die Luft", berichtete Polizeichef Jossi Sedbon. "Es wäre viel schlimmer gekommen, wenn er es geschafft hätte, ins Gebäude zu gelangen." Augenzeugen erklärten, ein Türsteher habe dem Mann den Zutritt zu der Bar verwehrt.

Nachtclubbesitzer Gal Gansman sagte, er habe hinter dem Tresen gestanden, als er die Explosion unmittelbar vor der Tür hörte. Eine Kellnerin habe einen Arm verloren. Krankenwagen fuhren vor. Die Polizei riegelte das Gebiet ab.

Ein Sprecher der Al-Aksa-Brigaden, die der Fatah-Bewegung von Präsident Jassir Arafat nahe stehen, teilte mit, die Hamas und seine Gruppe hätten den aus Tulkarem stammenden Selbstmordattentäter nach Tel Aviv geschickt. Der Anschlag habe zwei Ziele gehabt: Vergeltung für die Tötung ihrer Mitglieder durch Israel und eine Botschaft an Abbas, das "niemand die Widerstandsbewegungen ohne eine politische Lösung entwaffnen kann".

In unmittelbarer Nähe hatte sich vor knapp zwei Jahren ein Selbstmordattentäter in einer Disco in die Luft gesprengt. 21 Menschen, vor allem Teenager, wurden damals getötet. Bei inzwischen 89 Selbstmordanschlägen seit Beginn der neuen Intifada im September 2000 wurden rund 350 Menschen mit in den Tod gerissen.

Drei Tote und dutzende Verletzte waren nach dem Anschlag zu beklagen. Foto: AP

Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon erklärte, der jüngste Anschlag sei ein Beweis dafür, dass "dem palästinensischen Terrorismus kein Einhalt geboten wurde". Die neue palästinensische Regierung müsse umgehend solche Angriffe stoppen.

Nur wenige Stunden zuvor hatte das palästinensische Parlament die neue Regierung von Ministerpräsident Mahmud Abbas bestätigt. Abbas hatte in einer Ansprache vor der Abstimmung dem Terrorismus eine Absage erteilt. Es gebe im Konflikt mit Israel keine militärische Lösung, sagte der 68-Jährige, der zugleich seine politische Position deutlich machte: Israel müsse sich letztlich aus allen besetzten Gebieten zurückziehen; Änderungen am so genannten Fahrplan für den Frieden dürfe es nicht geben.

Das US-Außenministerium verurteilte den Anschlag scharf. Für die Gewalt und die Terrorattacken gegen die israelische Bevölkerung gebe es keine Entschuldigung, sagte Sprecherin Nancy Beck.


 
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