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Bundespräsident nahm entprechenden Passus auf: Vollkstrauertag: Gedenken an Opfer von Hass und Gewalt

zuletzt aktualisiert: 19.11.2000 - 20:34

Berlin (dpa). Erstmals hat Deutschland am Volkstrauertag auch an die Opfer von Ausländerhass und Fremdenfeindlichkeit in der heutigen Zeit gedacht. Bundespräsident Johannes Rau hatte in der Totenehrung einen entsprechenden Passus aufnehmen lassen. "Wir gedenken heute auch derer, die in diesem Jahr Opfer von Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache geworden sind", sagte Rau, der bei der zentralen Gedenkfeier am Sonntag im Bundestag die Totenehrung sprach. In ganz Deutschland wurden zum Volkstrauertag Kränze niedergelegt.

Auch der thüringische Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) rief dazu auf, sich "an alle Opfer von Gewalt überall auf der Welt auch hier in unserem eigenen Land bis in die letzten Monate dieses Jahres" zu erinnern. "Heute denken wir an alle Opfer von Krieg und Gewalt", sagte Vogel. "Auch 55 Jahre nach dem schrecklichsten aller Kriege sind viele Wunden noch nicht verheilt." Die Bilder von damals würden allen immer und immer wieder vor Augen stehen. Es seien Bilder des Leides, der Zerstörung und voller Hoffnungslosigkeit.

"Es ist wichtig, dass es diesen Volkstrauertag gibt", sagte Vogel. Auch heute noch gehöre Krieg und Terror für viele Menschen zum Alltag. Der Mensch vergesse manchmal zu leicht und zu schnell. "Wir dürfen nicht vergessen, was gewesen ist." Es sei ein Zeichen der Hoffnung, dass man in Deutschland seit 55 Jahren in Frieden lebe.

In Berlin ehrte die Bundeswehr am Sonntag auch die jüdischen Gefallenen aus dem ersten Weltkrieg, die auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee begraben liegen. Harald Kujat, Generalinspekteur der Bundeswehr, legte einen Kranz für die dort begrabenen 395 deutschen Soldaten jüdischen Glaubens nieder. An der Ehrung nahmen unter anderen Michel Friedman, Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Andreas Nachama, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, und Karl-Wilhelm Lange, Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, teil.

Der Volkstrauertag ist dem Gedenken an die Toten beider Weltkriege und der Opfer des Nationalsozialismus gewidmet. Die erste offizielle Feierstunde fand 1922 im Deutschen Reichstag in Berlin statt. Der Gedenktag geht auf einen Vorschlag des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) aus dem Jahr 1920 zurück. Er sollte ursprünglich an die Kriegstoten des Ersten Weltkriegs erinnern. Der Verband wollte mit dem Gedenken ein unübersehbares Zeichen der Solidarität zwischen denjenigen, die keinen Verlust zu beklagen hatten, und den Hinterbliebenen der Gefallenen setzen.

Die Nazis bestimmten den Volkstrauertag 1934 zum Staatsfeiertag und gaben ihm den Namen "Heldengedenktag". Nach Gründung der Bundesrepublik wurde der Volkstrauertag vom VDK erneut eingeführt und 1950 erstmals wieder begangen. In den darauf folgenden Jahren wurde der Volkstrauertag weniger als ein Tag der kollektiven Trauer verstanden. Vielmehr sah man darin einen Tag der Mahnung zu Versöhnung, Verständigung und zum Frieden.

Quelle: RPO Archiv

 
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