TV-Sender planen für die Bundestagswahl: Vom Porträt zum großen Duell
zuletzt aktualisiert: 08.07.2002 - 10:37Hamburg (rpo). Die ersten Printduelle (FAZ, Bild am Sonntag) liegen hinter den Kandidaten. Nun laufen bei den TV-Sendern die Vorbereitungen für den "Fernsehwahlkampf" auf Hochtouren.
Rund zehn Wochen vor der Bundestagswahl am 22. September sind sich die Experten einig, dass die Wahl wohl wie keine zuvor von den Medien geprägt sein wird. Dafür sprechen schon die beiden Fernsehduelle zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder und seinem Unions-Herausforderer Edmund Stoiber, die es im deutschen Fernsehen noch nie gegeben hat. Doch außer dem "Kampf der Giganten", der am 25. August bei den Privatsendern RTL und SAT.1 und am 8. September bei den Öffentlich-Rechtlichen (ARD/ZDF) live ausgestrahlt wird, planen die Sender eine Vielzahl anderer Sendungen.
18 Stunden zur Wahl
Die ARD will insgesamt 18 Stunden Programm zur Wahl senden. Vom 31. Juli an sind Gesprächsrunden mit Vertretern der Bundestagsparteien zur Innen- und Außenpolitik sowie zur Wirtschafts- und Sozialpolitik geplant. Ergänzt wird dies mit Porträts von Schröder und Stoiber sowie einem Hintergrundbericht über die "Kanzlermacher". Die Reihe der Sommerinterviews begann bereits am vergangenen Freitag (5. Juli) mit Angela Merkel.
Bei dem Duell am 8. September (20.15 Uhr) werden Schröder und Stoiber in einem Studio in Berlin-Adlershof den Moderatorinnen Sabine Christiansen (ARD) und Maybrit Illner (ZDF) 75 Minuten lang Rede und Antwort stehen. Dabei sein würde gerne auch Guido Westerwelle. Doch trotz der vom FDP-Kanzlerkandidaten angedrohten Klage halten die Öffentlich-Rechtlichen an ihrem Zweikampf fest.
Porträts zu Kanzler und Herausforderer
Das ZDF wird an diesem Dienstag (9. Juli, 21 Uhr) mit einem Kanzler-Porträt von Claus Richter beginnen. Eine Woche später folgt dann das Stoiber-Porträt. Das alte "Frontal"-Duo Bodo Hauser und Ulrich Kienzle wurde reaktiviert. Ansonsten hält sich das ZDF noch zu seiner Wahl-Berichterstattung bedeckt. Man werde die Details erst später bekannt geben, hieß es.
Mehr berichten als je zuvor über eine Wahl will RTL: Der Kölner Privatsender setzt dabei außer auf seinen "Anchorman" Peter Kloeppel auf den ehemaligen ARD-Chefkorrespondenten Friedrich Nowottny (73) sowie Sandra Maischberger. Die Polit-Talkerin von n-tv wird vom 4. August an mit Kloeppel die Talkshow "Im Kreuzfeuer" moderieren. Zu zwei "Spezial"-Ausgaben kommen auch Schröder und Stoiber. Außerdem wird RTL neben Sommerinterviews im Abendprogramm eine vierteilige Dokumentationsreihe ("Kanzler, Krisen, Koalitionen") ausstrahlen.
Kloeppel und Limbourg
Durch das erste TV-Duell Schröder/Stoiber am 25. August wird Kloeppel zusammen mit Peter Limbourg führen, der SAT.1 vertritt. Der Berliner Privatsender belebt zur Wahl nach vierjähriger Pause außerdem seinen "Talk im Turm" mit Erich Böhme neu. Der Altmeister des Polit-Talks wird vom 26. August an fünf Sendungen moderieren - anschließend will er sich vom Bildschirm verabschieden.
Auch die Nachrichtensender n-tv und N24 haben sich viel vorgenommen: Maischberger wird neben ihrem Auftritt bei RTL auch beim Nachrichtensender ihre Polit-Interviews fortsetzen. Am Tage nach den großen TV-Duellen dürfen die Generalsekretäre bei n-tv das Abschneiden der beiden Kanzleranwärter beurteilen. N24 wird den ehemaligen "Bild"-Chefredakteur und Regierungssprecher unter Helmut Kohl, Peter Boenisch, engagieren. Der 75-Jährige analysiert von Ende August bis zur Wahl täglich eine halbe Stunde lang den Wahlkampf. Dieter Kronzucker wird bei N24 Streitgespräche moderieren.
Schon jetzt steht fest, dass die beiden TV-Duelle, für die die Fernseh-Debatten der Präsidentschaftskandidaten in den USA Pate stehen, alle anderen Sendungen in den Schatten stellen werden. Der Live-Schlagabtausch wird nicht nur von Millionen an den Bildschirmen, sondern auch von einer extra gegründeten "Kommission zu den Kanzler- Debatten" verfolgt. Die Kommission, zu der neben Universitäts- Instituten auch das Adolf-Grimme-Institut gehört, will nach amerikanischem Vorbild die Duelle im Anschluss analysieren und auch der Frage nachgehen, wer "Sieger" war.
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