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Baader, Ensslin und Raspe begingen Selbstmord: Vor 25 Jahren: Die Welt blickt auf die RAF

zuletzt aktualisiert: 18.10.2002 - 11:06

Stuttgart (rpo). Am 18. Oktober 1977 schaute die Welt nach Stammheim: Am Morgen des 18. hatten die RAF-Terroristen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe Selbstmord begangen. Kurz zuvor war die entführte Lufthansa-Maschine "Landshut" in Mogadischu befreit worden.

Das Hochsicherheitsgefängnis in Stuttgart-Stammheim - ein symbolträchtiger Ort für den deutschen Terrorismus: Hier endete der Baader-Meinhof-Prozess. Und hier nahmen sich vor 25 Jahren im siebten Stock des Untersuchungsgefängnisses die RAF-Häftlinge Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe das Leben. Der 18. Oktober 1977 markierte auch das Ende des als "Deutscher Herbst" in die Geschichte eingegangenen Terrorjahres.

Im damaligen Herbst wurden der Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer entführt und ermordet und die Lufthansa-Maschine Landshut gekidnappt, um RAF-Gesinnungsgenossen freizupressen. Die Todesnacht von Stammheim gibt bis heute Anlass zu Spekulationen. Raspe wird von den Gefängnisaufsehern am Morgen jenen Tages blutüberströmt gefunden. Er stirbt später im Krankenhaus. Baader wird tot in seiner Zelle gefunden. Ensslin erhängte sich am Fenster. Als einzige überlebte Irmgard Möller mit Stichen in der Brust. Sie wurde durch eine Notoperation gerettet.

Gleich nach dem Tod der Gründer-Generation der Rote Armee Fraktion (RAF) begann im siebten Stock von Stammheim der Umbau des Terror-Trakts. In den Zellen war auch noch zeitweise die zweite Generation von Terroristen untergebracht, wie der stellvertretende Vollzugsdienstleiter von Stammheim, Hans-Jürgen Joachim, erzählt. Der Beamte, der seit 1982 in Stammheim Dienst tut, hat selber unter anderen die früheren Top-Terroristen Christian Klar oder Brigitte Mohnhaupt erlebt. "Mit ihnen konnte man ganz normal reden." Nur Klar sei immer etwas zurückhaltend gewesen.

In dem besonders gesicherten Trakt hatten Baader, Ensslin, Raspe und Möller Einzelzellen. Die Waffen, mit denen sie sich töteten, wurden laut Behörden von einem Anwalt eingeschmuggelt. Raspe hatte seine Pistole hinter der Fußleiste versteckt, Baader im Plattenspieler. Bei Zellen-Kontrollen blieben die Waffen unentdeckt.

Damals wie heute herrschen in Stammheim strenge Sicherheitsvorkehrungen. Besucher und Anwälte werden genau kontrolliert. Das Untersuchungsgefängnis, dass im Jahr 1963 eingeweiht worden ist, ist in die Jahre gekommen. Stammheim ist eigentlich für 701 Haftplätze ausgelegt - doch durchschnittlich sind rund 850 Häftlinge untergebracht, wie Joachim erläutert. Fast nur Männer. Im dem Gefängnis sind je nach Belegung 50 bis 70 Nationen vertreten. Die durchschnittliche Dauer der Untersuchungshaft betrage rund 90 Tage, sagte Joachim. Die Untersuchungshäftlinge können arbeiten, wenn sie wollen. Eine Pflicht bestehe nicht. Pro Tag gebe es eine Stunde Hofgang.

Stammheim gilt als sicheres Gefängnis. Die letzte Flucht gelang laut Joachim Mitte der achtziger Jahre über ein Baugerüst. Allerdings sind die Häftlinge nach den Erzählungen des stellvertretenden Vollzugsdienstleisters nach wie vor sehr einfallsreich: So habe einmal jemand anhand eines Fotos einen Schlüssel passgenau nachgemacht.

In der zweitgrößten baden-württembergischen Justizvollzugsanstalt arbeiten rund 160 Bedienstete. Von den Aufsehern aus dem Jahr 1977 verrichtet niemand mehr Dienst. Die Toten von Stammheim wurden in einem Gemeinschaftsgrab in Stuttgart beerdigt. Das hatte der frühere Oberbürgermeister Manfred Rommel genehmigt. Dies hatte zu Protesten in der Stuttgarter Bevölkerung geführt. Vor kurzem begründete der CDU-Politiker seine Entscheidung von damals in einem Interview mit den Worten: "Nach dem Tod endet jede Feindschaft."

Quelle: RPO Archiv

 
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