Baader, Ensslin und Raspe begingen Selbstmord: Vor 25 Jahren: Die Welt blickt auf die RAF
zuletzt aktualisiert: 17.10.2002 - 10:57Stuttgart (rpo). Am 18. Oktober 1977 schaute die Welt nach Stammheim: Am Morgen des 18. hatten die RAF-Terroristen Andreas Baader, Gudrung Ensslin und Jan-Carl Raspe Selbstmord begangen. Kurz zuvor war die entführte Lufthansa-Maschine "Landshut" in Mogadischu befreit worden.
Um 8.35 Uhr sendete die Deutsche Presse-Agentur die Eilmeldung über die Selbstmorde der Terroristen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe. Damit war Stammheim ins internationale Rampenlicht gerückt. Wenige Stunden zuvor, um 0.05 Uhr, hatten Spezialisten der Sondereinheit GSG 9 im somalischen Mogadischu die Geiseln aus der gekaperten Lufthansa-Maschine "Landshut" befreit.
Beide Ereignisse besiegelten das Schicksal des von der RAF entführten Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer. Einen Tag später wurde seine Leiche in einem in Mühlhausen im Elsass abgestellten Pkw gefunden. Schleyer wurde vermutlich am Nachmittag des 18. Oktober erschossen.
Auch ein Vierteljahrhundert nach den Selbstmorden in Stammheim hat dieser Schauplatz deutscher Geschichte, an dem auch der Baader-Meinhof-Prozess stattfand, seinen Mythos noch nicht ganz verloren. Im Innern der Haftanstalt erinnert nichts mehr an das damals berühmt-berüchtigte siebte Stockwerk, von Journalisten "Hochsicherheitstrakt" genannt. Geblieben ist nur die "Mehrzweckhalle" im Hof der Haftanstalt, der damals sicherste Prozesssaal Deutschlands. Dort hatte am 21. Mai 1975 der Prozess gegen Ulrike Meinhof, Baader, Ensslin und Raspe begonnen. Noch heute finden dort Verfahren gegen Schwerstkriminelle aus der Mafiaszene und der organisierten Kriminalität, aber auch gegen PKK-Mitglieder statt.
Kaum einer der 12.300 Bürger von Stuttgart-Stammheim nimmt Notiz von den Prozessen, die immer noch dort stattfinden. Das war damals ganz anders. Mit Blaulicht und Martinshorn kamen die Karlsruher Richter zu den Prozesstagen. Zeugen und Richter hatten bewaffneten Begleitschutz. Wer in die Nähe des Gerichts wollte, musste Straßensperren und Polizeikontrollen überwinden. Stammheim war seit 1975 Synonym für die "Antwort des Rechtsstaates" auf den RAF-Terrorismus.
Maximillian Schumacher, der derzeitige Leiter der Haftanstalt Stammheim, sagt, Stammheim sei heute eine ganz normale Haftanstalt für Untersuchungshäftlinge. Für 701 Insassen ist sie ausgelegt, 860 U-Häftlinge sitzen tatsächlich ein. Doch wenn Untersuchungshäftlinge nach Stammheim kämen, hätten manche immer noch den alten "Stammheim- Mythos" im Kopf, ist von der Gefängnisleitung zu hören. Stammheim, 1963 für 12 Millionen Mark (6,1 Millionen Euro) als ausbruchssicheres Gefängnis gebaut, gilt inzwischen nicht mehr als die sicherste Haftanstalt Deutschlands. Ende der 60er Jahre gab es zwei Ausbrüche, auch in den 80er Jahren konnte ein Häftling über ein Gerüst entfliehen.
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