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Saarland mit schulpolitischer Offensive: Vorstoß aus Saarbrücken: Bundesweites Zentralabitur

zuletzt aktualisiert: 08.04.2001 - 12:37

Saarbrücken (rpo). Der saarländische Kultusminister Jürgen Schreier (CDU) hat in einem dpa-Gespräch das Zentralabitur für alle Bundesländer gefordert. Die Kultusministerkonferenz werde sich demnächst weiter mit dem Thema beschäftigen, kündigte Schreier an.

Schreier sagte, in Ländern ohne Zentralabitur seien die Aufgaben von Schule zu Schule unterschiedlich. Dies erscheine mit Blick auf den Hochschulzugang der Abiturienten und ihre Qualitätsanforderungen nicht sinnvoll.

In der Frage des Zentralabiturs bilden die 16 Bundesländer weiterhin zwei Lager, wie eine dpa-Umfrage ergab. Beim Zentralabitur formuliert das jeweilige Kultusministerium eines Landes die Abituraufgaben, die dann in allen Schulen und in allen Fächern einheitlich und vergleichbar sind.

Ein zentrales Abitur für ganz Deutschland mit genau den gleichen Prüfungsfragen in allen Fächern und Ländern lehnte der Saar-Minister allerdings ab. "Das geht nicht, weil es der Kulturhoheit der Länder widerspricht", sagte Schreier. Er plädierte jedoch dafür, dass die Länder einheitliche Prüfungsanforderungen und Aufgaben beim Abitur noch mehr als bisher miteinander abstimmen.

Ein Zentralabitur gibt es auch in Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Thüringen und im Saarland. In Brandenburg ist das Zentralabitur im Koalitionsvertrag von 1999 für das Schuljahr 2005/6 vereinbart, es soll möglicherweise aber bereits ein Jahr früher kommen. Das Saarland hatte Ende 2000 Aufmerksamkeit erregt, als es als erstes westliches Bundesland flächendeckend das achtjährige Gymnasium vom kommenden Schuljahr 2001/2002 an beschloss.

Baden-Württemberg sieht sich durch die Forderung Schreiers nach einem Zentralabitur in jedem Bundesland bestätigt. "Diesen Vorschlag machen wir schon seit Jahren immer wieder", sagte ein Sprecher von Kultusministerin Annette Schavan (CDU) in Stuttgart, die derzeit KMK- Präsidentin ist. Ein Sprecher des sächsischen Kultusministeriums sagte: "Die Vorteile eines Zentralabiturs liegen auf der Hand." Die Leistungen der Schüler seien vergleichbar und das Anforderungsniveau auf einen Blick erkennbar.

NRW: Zentralabitur nicht wünschenswert

Nordrhein-Westfalen, das ein Zentralabitur entschieden ablehnt, argumentierte, dafür verlaufe der Unterricht in den Schulen zu unterschiedlich. Auch lerntheoretisch sei die Einführung eines Zentralabiturs nicht wünschenswert, weil sonst nur fest stehende Themen stur gepaukt würden, sagte eine Sprecherin in Düsseldorf. Die Qualität des NRW-Abiturs werde durch die Bezirksregierung überprüft. Außerdem würden die Klausuren nicht nur von den eigenen Lehrern, sondern auch von den Pädagogen anderer Schulen korrigiert.

Rheinland-Pfalz ist ebenfalls gegen ein Zentralabitur. Dort überprüft eine Kommission die Themenvorschläge der Gymnasien und legt in Frage kommende Themen fest. "Ein Zentralabitur ist kein Thema in Niedersachsen", sagte auch Carl Othmer, der Büroleiter von Kultusministerin Renate Jürgens-Pieper (SPD). "Das Zentralabitur verhindert Spitzenleistung und orientiert sich eher am Durchschnitt der Schüler." Auch Hamburg und Schleswig-Holstein sehen keinen Grund, ein Zentralabitur einzuführen.

Berlins Schulsenator Klaus Böger (SPD) kann sich in Sachen Zentralabitur eine Mischform vorstellen. In Hessen haben CDU und FDP in ihrer Koaltitionspapier vereinbart, sämtliche Schulabschlüsse landesweit schrittweise zu vereinheitlichen. Bremen ist dabei, "die totale Individualisierung, bei der jeder Lehrer seine eigenen Aufgaben stellt, zurückzunehmen", sagte ein Sprecher.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) lehnt ein Zentralabitur ab. Der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung ((VBE), Ludwig Eckinger, forderte die KMK auf, sich auf wesentliche Standards beim Abitur zu einigen.

Quelle: RPO Archiv

 
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