Erste Parlamentswahl nach zehn Jahren: Wahl in Algerien
zuletzt aktualisiert: 30.05.2002 - 20:28Algier (rpo). In Algerien hat die von Boykottaufrufen und Betrugsvorwürfen überschattete erste Parlamentswahl seit mehr als zehn Jahren begonnen. Die Regierung hofft, mit der Wahl am Donnerstag die Demokratie stabilisieren und Ruhe in das Land bringen zu können.
Bei den Parlamentswahlen in Algerien zeichnete sich am Donnerstag ein nur geringes Interesse der Bevölkerung des von sozialer Not und Terror geprägten Landes ab. Nur rund 38 Prozent der 18 Millionen Wähler waren bis zum späten Nachmittag zu den Urnen gegangen, hieß es im Innenministerium. In der Berber-Region Kabylei lag die Wahlbeteiligung gegen 16.00 Uhr nach einem Boykottaufruf von Oppositionsparteien lediglich bei 2,4 Prozent, im Zentrum Tizi Ouzou sogar nur bei knapp 1,8 Prozent. Die Berber befolgten seit Dienstag aus Protest gegen die Wahlen einen Generalstreik.
Nach Umfragen dürfte die bisherige Regierungsmehrheit in ihrem Amt bestätigt werden. Mit einem Ergebnis wird erst am Freitag gerechnet. Ein massiver Boykott würde die Legitimität der zweiten Mehrparteien- Wahlen seit Beginn des Ausnahmezustands 1992 in Frage stellen.
Verletzte bei Straßenkämpfen
Bei Straßenkämpfen jugendlicher Wahlgegner mit der Polizei waren am Vortag in der Kabylei mehrere Personen verletzt worden. Insgesamt 26 Menschen, darunter 24 Nomaden, seien vor der Eröffnung der Wahllokale vermutlich von bewaffneten Islamisten ermordet worden, berichtete der algerische Rundfunk. In den übrigen Regionen des nordafrikanischen Landes, in dem seit zehn Jahren der Ausnahmezustand herrscht, war der Wahltag bislang ruhig verlaufen.
Die Wahl ist ein Test für Präsident Abdelaziz Bouteflika, der 1999 in das Amt gekommen war, nachdem sich alle Konkurrenten zurückgezogen hatten. Insgesamt 23 Parteien bewarben sich um die 389 (bisher 380) Sitze im Parlament in Algier. Im Parlament haben die frühere sozialistische Einheitspartei Nationale Befreiungsfront (FLN) Bouteflikas, gemäßigte Islamisten der Bewegung der Gesellschaft des Friedens (MSP) sowie die FLN-nahe Nationaldemokratische Sammlung (RND) eine große Mehrheit.
Angesichts ihrer sozialen Probleme wie Arbeitsplatzmangel, Wasser- und Wohnungsnot hatten die Algerier ein äußerst geringes Interesse an dem Wahlkampf gezeigt. Viele versprechen sich von dem neu gewählten Parlament keine Verbesserung ihrer Lage.
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