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Verdacht
War Osthoff-Fahrer ein Komplize der Entführer?

Der erste Tag nach der Freilassung
Der erste Tag nach der Freilassung FOTO: AFP
Berlin (rpo). Nach 23 Tagen Geiselhaft wurde die deutsche Archäologin Susanne Osthoff freigelassen. Während Osthoff mit ihrer Tochter einige ruhige Tage verbringt, keimt der Verdacht auf, ihr Fahrer könne ein Komplize der Entführer gewesen sein. Offenbar wurde Osthoff von Angehörigen des Duleimi-Stammes entführt. Deren Scheich soll Osthoff den Fahrer besorgt haben.

Im Augenblick gehen die deutschen Sicherheitsbehörden nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios dem Verdacht nach, dass ihr Fahrer, Chalid el Schimani, ein Komplize der Entführer war. Wie der Sender am Mittwoch berichtete, vermuten die Behörden nach den bisherigen Ermittlungen hinter der Geiselnahme Angehörige des Duleimi-Stammes, der mehrheitlich dem sunnitischen Widerstand gegen die jetzige Regierung angehört.

Ein Duleimi-Scheich soll der deutschen Archäologin demnach den Fahrer zur Verfügung gestellt haben. Dieser Scheich sei deshalb ins Fadenkreuz der deutschen Ermittler gerückt. Für eine Verantwortung dieses Stammes spreche auch, dass einer der Mittelsmänner ihm angehöre. Durch ihn hätten die deutschen Unterhändler schon relativ schnell nach der Geiselnahme Kontakt zu den Entführern gehabt.

Für eine Komplizenschaft spricht laut ARD-Hauptstadtstudios auch, dass der Fahrer sich bisher nicht bei der deutschen Botschaft gemeldet hat und möglicherweise untergetaucht ist. Zu Osthoffs vergleichsweise rascher Freilassung soll es nach Erkenntnissen der deutschen Sicherheitsbehörden auch gekommen sein, weil der Stamm der Schammar Druck auf die verfeindeten Duleimi ausgeübt hat. Den Schammar gehört Susanne Osthoffs früherer Ehemann an. Deshalb habe die Archäologin auch lange Zeit glaubte, dass ihr nichts passieren könne, weil sie unter dem Schutz dieses Stammes stehe.

Unterdessen äußerte sich die Osthoffs Familie traurig und enttäuscht, dass die Freigelassene sich bisher nicht zu Hause gemeldet habe. Die Schwester Anja Osthoff sagte, Susanne habe noch nicht bei ihr oder anderen Familienangehörigen angerufen. Im Auswärtigen Amt habe es geheißen, Susanne wolle nicht mit ihren Angehörigen in Deutschland sprechen. Details über den Gesundheitszustand ihrer Schwester oder ihr Reiseziel hätten die Behörden nicht mitgeteilt. "Es kann nicht sein, dass die Familie nicht informiert wird", sagte Anja Osthoff. "Ich bin einfach traurig, weil ich so abgeschnitten bin. Wir können das nicht verarbeiten, wir wissen überhaupt nichts."

Außenminister Frank-Walter Steinmeier bedankte sich am Mittwoch persönlich beim Krisenstab des Auswärtigen Amtes, der sich um die Rettung der Deutschen bemüht hatte.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, der am 11. Dezember in der ARD sagte, es sei "im Interesse der Geisel, den Mund zu halten", hatte laut "Stern" damals bereits Kenntnis davon, dass Osthoff am Leben war und bald freikommen würde. Dass es dann bis zum 18. Dezember dauerte, habe vermutlich daran gelegen, dass wegen der irakischen Parlamentswahl die Überlandstraßen zwischen den Provinzen tagelang gesperrt gewesen seien. Die Geisel habe deshalb nicht aus ihrem Versteck nach Bagdad gebracht werden können.

Treffen mit der Tochter

Osthoff ist nach dem Bericht des Magazins extrem erschöpft. Es graue ihr vor dem Medienrummel in Deutschland. Nur ihre Tochter wolle sie treffen und das vermutlich in einem friedlichen arabischen Land.

Die Irak-Korrespondentin des Privatsenders RTL, Antonia Rados, kritisierte indessen die Äußerungen des ehemaligen Staatsministers im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, zu Deutschen in Krisengebieten. Chrobog hatte im Zusammenhang mit dem Entführungsfall Osthoff gesagt, es gebe ein "Sozialversicherungsdenken" einiger Deutscher im Ausland. "Ich habe das nie festgestellt", sagte Rados der "Berliner Zeitung". "Jeder, den ich kennen gelernt habe, versuchte, sich so gut wie möglich zu schützen." Niemand fahre sorglos in den Irak. "Und niemand rechnet damit, dass er im Zweifelsfall von der Regierung gerettet werden kann. Dafür ist schon zu viel passiert", sagte Rados.

 
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