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Den Haag
Zerstörung Timbuktus vor Gericht

Den Haag. Ein mutmaßlicher Islamist hat Weltkulturerbe der Wüstenstadt vernichtet.

Mit Spitzhacken, Stahlstangen und Vorschlaghämmern zogen sie durch Timbuktu. Sie begannen, auf Grabmäler einzuhacken und Mauern zu zerschlagen. Am Ende blieben nicht viel mehr als Steinhaufen übrig. In weniger als zwei Wochen waren zehn der bedeutendsten Gebäude der Wüstenstadt im Zentrum des westafrikanischen Landes Mali zerstört.

Ab heute steht der mutmaßliche Täter in Den Haag vor Gericht: Ahmad al Faqi al Mahdi, ein schlanker Araber mit dicken, schwarzen Locken, muss sich vor dem Internationalen Strafgerichtshof wegen Zerstörung von Kulturgut verantworten - ein Kriegsverbrechen. Er ist der erste mutmaßliche Islamist vor dem Weltstrafgericht in Den Haag.

Im 15. und 16. Jahrhundert war die Oasenstadt Timbuktu am südlichen Rand der Sahara ein intellektuelles Zentrum gewesen, von dem aus sich der Islam in Afrika verbreitete. Anfang 2012 kämpften sich bewaffnete Rebellen durch die Wüste Malis und übernahmen die Kontrolle über Timbuktu. Als die Islamisten der Milizen Ansar Dine und "Al Kaida im Islamischen Maghreb" an die Macht kamen, entschieden sie, die Stätten der alten islamischen Glaubensrichtung zu vernichten.

Al Mahdi, ein Lehrer und Intellektueller aus der Region, stieß in dieser Zeit zu Ansar Dine. Er wurde zum Chef der örtlichen Moralpolizei ernannt und beriet die neuen Machthaber in religiösen Fragen. Laut den Anklägern in Den Haag soll er auch einen Plan zur Zerstörung von Mausoleen und Moscheen mitentwickelt haben. Al Mahdi organisierte Werkzeuge und schrieb eine Predigt, die beim Freitagsgebet vor den Angriffen verlesen worden ist. Neun Mausoleen und das Tor zur großen Sidi Yahia-Moschee sollen al Mahdi und die "Beamten" seiner Moralpolizei angegriffen haben. Neun Stätten davon gehörten zum Weltkulturerbe der Unesco. Jedes Mal war al Mahdi dabei, heißt es in der Anklageschrift. Bei fünf Gebäuden habe er eigenhändig geholfen.

"Es geht um mehr als nur um Wände und Steine", sagte Chefanklägerin Fatou Bensouda bei einer Sitzung im Frühjahr. Die Ankläger werten die Vernichtung der Stätten als einen Versuch der Islamisten, eine Zivilisation auszulöschen. "Solche Angriffe auf religiöse und historische Gebäude fallen in die Kategorie jener Verbrechen, die die Wurzeln eines Volkes zerstören", sagte Bensouda.

(epd)
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