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Bandaranaike überraschend an Herzinfarkt gestorben: Weltweit erste Frau an der Spitze einer Regierung

zuletzt aktualisiert: 10.10.2000 - 12:31

Colombo (AP). Vier Jahrzehnte lang bestimmte Sirimavo Bandaranaike in irgendeiner Form die Politik in Sri Lanka. Jetzt starb die weltweit erste Frau an der Spitze einer Regierung im Alter von 84 Jahren. Erst im August hatte sie ihr Amt als Ministerpräsidentin niedergelegt, in dem sie ihrer Tochter, der Staatspräsidentin Chandrika Kumaratunga, den Rücken freihielt.

Am Tag der für ihre Tochter entscheidenden Parlamentswahl fuhr Bandaranaike am Dienstag mit dem Auto in ihre Heimatstadt Gampaha, 35 Kilometer östlich der Hauptstadt Colombo. Während der Rückfahrt erlitt sie im Auto einen Herzinfarkt, wie Regierungssprecherin Kusum Rodrigo mitteilte. Nach der Einlieferung in ein nahe gelegenes Schwesternheim konnte nur noch ihr Tod festgestellt werden. Sie starb an ihrem 60. Hochzeitstag. "Die ganze Nation hat ihre Mutter verloren", sagte Innenminister Alavi Mowlana. "Ich kann nicht glauben, dass sie nicht mehr da ist."

Bandaranaike entstammte einer der wohlhabendsten Familien auf Ceylon. Geboren am 17. April 1916, heiratete Sirimavo Ratwatte 1940 den Politiker Soloman Dias Bandaranaike, der die sozialistisch orientierte Sri-Lanka-Freiheitspartei gründete und 1956 zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. Drei Jahre später wurde der Regierungschef von einem buddhistischen Mönch ermordet, und die Witwe wandelte sich mit einem Schlag von der zurückhaltenden Hausfrau zur dynamischen Politikerin. Sie folgte ihrem Mann an die Spitze der Partei und übernahm nach der Wahl vom 20. Juli 1960 auch die Regierung. Auf dem Gipfel der Blockfreienbewegung in Belgrad trat sie 1961 "als eine Frau und eine Mutter" auf.

Rührige Außenpolitikerin im Kalten Krieg

Bandaranaike war zunächst bis 1965 Ministerpräsidentin, dann erneut von 1970 bis 1977 und schließlich wieder seit November 1994, als das Amt bereits weitgehend auf repräsentative Aufgaben reduziert war. Als rührige Außenpolitikerin war Bandaranaike um ein gutes Verhältnis zum großen Nachbarn Indien bemüht, der sich im Kalten Krieg wiederum eng an Moskau anlehnte. Bandaranaike schickte ein Friedenscorps der USA nach Hause und schloss die israelische Botschaft. Außerdem verstaatlichte die Regierung während ihrer zweiten Amtszeit private Unternehmen.

Bei der Niederschlagung eines Aufstands marxistischer Rebellen wurden bis zu 20000 Menschen getötet. Ein Jahr später wurde Sri Lanka zur Republik umgewandelt. 1980 schloss das Parlament Bandaranaike unter dem Vorwurf des Machtmissbrauchs für sieben Jahre von allen politischen Ämtern aus. Ein spätes Comeback feierte Bandaranaike mit der Wahl ihrer Tochter Chandrika Kumaratunga als Präsidentin. Sie wurde 1994 erneut Ministerpräsidentin.

Unter Diabetes und Knieproblemen leidend, verbrachte sie zuletzt die meiste Zeit im Rollstuhl. Am 10. August legte sie das Amt nieder und erklärte, ihre Tochter brauche einen fähigeren Ministerpräsidenten zur Unterstützung der Bemühungen um ein Ende des Bürgerkriegs. Der blutige Konflikt mit den Tamilen, der seit 1983 schätzungsweise 63.000 Menschen das Leben gekostet hat, begann erst nach Bandanaraike politischem Wirken.

Quelle: RPO Archiv

 
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