Schock von Seattle noch nicht überwunden: Weltwirtschaftsforum in Davos
zuletzt aktualisiert: 28.01.2000Davos (dpa). Beim Weltwirtschaftsforum in Davos hat sich gezeigt, dass Politiker und Konzernchefs den Schock von Seattle noch lange nicht verdaut haben. Der Generaldirektor der Welthandelsorganisation (WTO), Mike Moore, musste am Freitag in Davos zugeben, dass er zwei Monate nach dem Scheitern der WTO-Konferenz in Seattle immer noch keinen neuen Fahrplan für weitere Verhandlungen zur Handelsliberalisierung hat.
Die WTO-Konferenz in Seattle habe keine Ergebnisse gebracht, weil die Mitgliedstaaten für eine neue Liberalisierunsrunde noch nicht genügend vorbereitet seien, sagte Moore. "Seattle ist nicht wegen der Proteste gescheitert", betonte er. "Wir haben die Konferenz ganz alleine zu Fall gebracht, dafür brauchten wir die Demonstranten nicht".
Vor allem bei den problematischen Themen Landwirtschaft, Textil, Investitionen und Arbeiterrechte lägen die Positionen der mehr als 130 WTO-Mitgliedsländer immer noch weit auseinander, sagte Moore. Vertreter der Wirtschaft erklärten in Davos, die gewaltsamen Proteste in Seattle hätten gezeigt, dass die WTO allein offenbar nicht in der Lage sei, dem Mann auf der Straße die Vorteile der Handelsliberalisierung zu erklären. Dies müssten die internationalen Konzerne nun selbst in die Hand nehmen, sagte Lewis Campbell, Vorstandsvorsitzender des US-Mischkonzerns Textron.
Der türkische Ministerpräsident Bülent Ecevit erklärte, die Demonstrationen in Seattle hätten eindrücklich bewiesen, dass viele Menschen nicht bereit seien, die Folgen der Globalisierung hinzunehmen.
Ein weiterer Themenschwerpunkt in Davos war am Freitag die Schwäche des Euro in Relation zum Dollar. Bundesbankpräsident Ernst Welteke warnte jedoch davor, diese Entwicklung zu dramatisieren. Der Euro werde sich bald erholen, sagte er. Der Anfangskurs der europäischen Währung sei ohnehin überhöht gewesen.
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