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Düsseldorf/Brüssel
Wie sicher sind die Atommeiler?

Düsseldorf/Brüssel. Nach den Anschlägen in Brüssel fordern die Grünen eine europaweite Prüfung. Von Detlev Hüwel

Der Verdacht, dass in Belgien islamistische Terroristen Atomanlagen ins Visier genommen haben, scheint sich zu erhärten. Nach Medienberichten stecken die beiden Selbstmordattentäter von Brüssel, Ibrahim und Khalid El Bakraoui, hinter der geheimen Video-Überwachung des Direktors des belgischen Zentrums für Nuklearenergie. Möglicherweise wollten die Täter den Wissenschaftler erpressen, um an radioaktives Material für eine "schmutzige Bombe" zu gelangen. Dabei handelt es sich um einen herkömmlichen Sprengsatz, der bei der Explosion allerdings radioaktives Material freisetzt.

Die Gebrüder Bakraoui sind nach einem Bericht der Zeitung "La Dernière Heure" als jene Männer identifiziert worden, die die Kamera abmontiert hatten. Das mehrstündige Video war Ende 2015 bei einer Razzia in Brüssel gefunden worden, die der mutmaßliche Terrorist Mohammed B. angemietet hatte. Der Mann soll in dem Testament der Terror-Brüder Bakraoui erwähnt sein.

Wie berichtet, war nach den Anschlägen von Brüssel das Personal in den belgischen Atomkraftwerken (AKW) Doel und Tihange bis auf die Kernmannschaft reduziert worden. Mit dieser Teil-Evakuierung sollte im Falle eines Terrorangriffs die Räumung der Kernkraftanlagen erleichtert werden; zugleich sollte sichergestellt werden, dass kein Unbefugter in die Anlagen gelangen konnte.

Dass Atomanlagen mögliche Ziele von terroristischen Anschlägen sein könnten, gilt spätestens seit den Anschlägen 2001 in New York als denkbar. Seither sind in den AKW die Sicherungsmaßnahmen verschärft worden. Dazu gehört auch die Möglichkeit, ein Kernkraftwerk mit einer Nebelwolke zu verhüllen. Allerdings ist diese technische Ausrüstung bisher nicht Standard in europäischen Atomkraftwerken. Grünen-Chefin Simone Peter fordert jetzt eine Sicherheitsüberprüfung in allen europäischen Anlagen: "Es wird Zeit für eine Neubewertung der Sicherheit." Aktuell lägen aber "keine Erkenntnisse vor, die auf eine konkrete Gefährdung der deutschen Atomkraftwerke hinweisen", teilte gestern das Bundesumweltministerium auf Anfrage unserer Redaktion mit. In Deutschland sind noch acht AKW in Betrieb; die letzten Meiler gehen 2022 vom Netz.

In NRW gibt es zwar keine AKW, aber hier befinden sich das Zwischenlager im westfälischen Ahaus, die ehemalige Atomforschungsanlage in Jülich und die Uranaufbereitungsanlage Urenco in Gronau. Für die Sicherungsvorkehrungen in NRW ist das Wirtschaftsministerium zuständig. Es veranlasst die regelmäßige Überprüfung der Mitarbeiter, Zulieferer und des Sicherheitspersonals. Jährlich sind das etwa 1500 Personen.

Quelle: RP
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