Nahost-Krise: Wieder Tote und Verletzte bei Palästinenser-Unruhen
zuletzt aktualisiert: 12.10.2000 - 09:03Jerusalem/Kairo/Beirut (dpa). Nach zwei Tagen relativer Ruhe in den Palästinensergebieten ist es am Mittwoch wieder zu blutigen Straßenschlachten und gewaltsamen Zwischenfällen gekommen. Dabei wurden mindestens drei Palästinenser getötet und mehrere Palästinenser und Israelis verletzt.
In Tulkarem im Westjordanland wurde am Nachmittag ein 17-jähriger Araber bei einer Schießerei mit israelischen Soldaten getötet. Ein 18-jähriger Palästinenser starb in der Stadt Chan Junis im Gazastreifen. Bei einem Schusswechsel nahe der Stadt Kalkilia wurde nach palästinensischen Angaben mindestens ein Palästinenser getötet.
In der Nähe von Hebron wurde nach Angaben des israelischen Rundfunks ein israelischer Soldat schwer verletzt. Ein israelischer Zivilist sei auf einer Straße südlich von Bethlehem angeschossen worden. Nahe der Siedlung Ofra nördlich von Ramallah wurde ein Palästinenser schwer verletzt, als israelische Siedler sein Auto mit Steinen angriffen.
Bombenexplosion im Gazastreifen
In der Gegend von Katif schossen nach israelischen Berichten Palästinenser auf eine israelische Militärpatrouille. Die Israelis hätten mit Panzerabwehrraketen geantwortet. Über mögliche Opfer wurde zunächst nichts bekannt. Bei einer Bombenexplosion im Gazastreifen sei ein Israeli leicht verletzt worden.
Angesichts der neuen Zwischenfälle kam Israels Ministerpräsident Ehud Barak am Abend mit den Chefs der Sicherheitsbehörden zu einer Beratung zusammen. Israels größte Sorge gilt der Verhinderung möglicher Terroranschläge auf Zivilisten.
Scharon lehnt Baraks Angebot ab
Ariel Scharon, Chef der oppositionellen Likud-Partei, lehnte Baraks Angebot zur Bildung einer Regierung der nationalen Einheit ab. Eine Sprecherin Scharons sagte, der Vorschlag laufe einem Beschluss mehrerer Oppositionsparteien zuwider. Zudem stelle Baraks Bemühung, den Friedensprozess auf der Basis des Camp-David-Gipfels fortzusetzen, eine "extreme Gefahr für Israel" dar.
Von den drei nach Libanon verschleppten israelischen Soldaten gibt es noch immer kein Lebenszeichen. Der EU-Beauftragte für eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, Javier Solana, sagte nach einem Gespräch mit dem libanesischen Präsidenten Emile Lahoud, er habe seine Sorge über das Schicksal der Soldaten deutlich gemacht. Die Israelis waren am Samstag von der schiitischen Hisbollah-Miliz im libanesisch-israelischen Grenzgebiet entführt worden.
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