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Berufung auf Dokument des Geheimdienstes CIA: Zahlte Bin Laden den Bali-Anschlag?

zuletzt aktualisiert: 20.10.2002 - 17:15

London (rpo). Sie sehen eine Spur zu Osama bin Laden. Der Chef der Terror-Organisation El Kaida hat nach einem Bericht der "Sunday Times" offenbar den Sprengstoff für den Anschlag von Bali bezahlt.

Unter Berufung auf ein vertrauliches Dokument des US-Geheimdienstes CIA berichtete die Londoner "Sunday Times", die radikale Islamistenorganisation Jemaah Islamiyah, die hinter dem Anschlag stehen soll, habe 74 000 Dollar von Bin Laden bekommen. Spanien warnte einem weiteren Zeitungsbericht zufolge Indonesien schon seit Monaten vor El-Kaida- Stützpunkten in dem südostasiatischen Land. Mit einem nationalen Trauertag gedachte Australien am Sonntag der Opfer der Autobomben-Anschläge, bei denen am Samstag voriger Woche mindestens 190 Menschen getötet worden waren.

Mit dem Geld habe Jemaah Islamiya drei Tonnen Sprengstoff bezahlt, die ihr illegal von der indonesischen Armee verkauft worden seien, schrieb die "Sunday Times" weiter. Die Summe sei von einem Konto überwiesen worden, das Scheich Abu Abdullah Emirati gehöre, was eines der Pseudonyme Bin Ladens sei. Die Informationen stammten von dem Kuwaiter Omar Faruk, Bin Ladens ehemaligem Beauftragten für Südostasien. Er sei im Juni in Indonesien festgenommen und in Afghanistan der CIA übergeben worden, berichtete die Zeitung.

Der radikale indonesische Islamist Abu Bakar Ba'asyir, angeblich einer der Anführer der Jemaah Islamiya, war am Samstag unter Terrorverdacht festgenommen worden. Der Leiter einer Islamschule wurde in einer Klinik der zentraljavanischen Stadt Solo verhaftet. Vor seiner Verhaftung war der 64 Jahre alte Ba'asyir nicht zu einem geplanten Verhör in Jakarta erschienen, weil er am Freitag mit Atemproblemen in die Klinik gebracht worden war. Die Polizei wollte Ba'asyir, der als Anführer der radikalislamischen Organisation Jemaah Islamiyah gilt und ein Verehrer von Osama bin Laden ist, zu Vorwürfen im Zusammenhang mit Terroraktivitäten in Südostasien befragen. Er sollte zu einer Anschlagserie an Weihnachten 2000 aussagen.

Unter starkem internationalen Druck hatte die indonesische Regierung in der Nacht zum Samstag eine Notstandsverordnung erlassen, die den Ermittlern weit reichende Befugnisse einräumt. Sie sieht die Todesstrafe als höchstes Strafmaß für verurteilte Terroristen vor. Zudem können künftig Verdächtige bis zu einem Jahr in Haft genommen werden, auch wenn keine Beweise gegen sie vorliegen.

Hinweise Spaniens auf El-Kaida-Stützpunkte in Indonesien seien nicht beachtet worden, berichtete die spanische Zeitung "El País" am Sonntag. Man habe auch angegeben, wo sich ein Trainingslager befinde. Der angebliche Leiter des Lagers, ein indonesischer Luftfahrtingenieur, habe Kontakte zu El-Kaida-Zellen in Spanien unterhalten. Wenige Wochen vor den Anschlägen habe die Madrider Staatsanwaltschaft die indonesische Justiz in einem Rechtshilfeersuchen darum gebeten, Ermittlungen gegen den Ingenieur einzuleiten.

Auch der indonesische Verteidigungsminister Matori Abdul Jalil sagte vor Journalisten auf Bali, er halte nach wie vor El Kaida für den Drahtzieher der Anschläge, ohne Beweise vorzulegen.

Zum Zeichen der Trauer war am Sonntag in ganz Australien halbmast geflaggt. Nach einer Schweigeminute zur Mittagszeit läuteten Kirchenglocken. Der australische Ministerpräsident John Howard sagte, man werde alles tun, "um diejenigen zu finden, die diese widerliche Tat begangen haben und sie zur Rechenschaft zu ziehen".

Quelle: RPO Archiv

 
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