Drei Angeklagte wurden freigesprochen: Zehn iranische Juden wegen Spionage zu Haftstrafen verurteilt
zuletzt aktualisiert: 02.07.2000 - 13:49Schiras/Iran (AP). Nach monatelangen Verhandlungen sind im Spionage-Prozess gegen 13 iranische Juden zehn der Angeklagten zu Haftstrafen zwischen vier und 13 Jahren verurteilt worden. Drei weitere wurden am Samstag in Schiras freigesprochen, wie ihr Hauptverteidiger Esmail Naseri am Samstag mitteilte.
Sie waren bereits seit Februar auf Kaution frei. Von vier ebenfalls angeklagten Moslems wurden zwei freigesprochen, die anderen beiden erhielten nach Behördenangaben zwei Jahre Haft. In Israel, Frankreich und den USA stießen die Urteile auf heftige Kritik.
Das Urteil und das Strafmaß seien nicht endgültig, sondern könnten angefochten werden, sagte Naseri. Er zeigte sich erleichtert darüber, dass keiner der Angeklagten zum Tode verurteilt wurde. Die beiden Hauptangeklagten, der 30-jährige Schuhhändler Dani Tefilin und der 54 Jahre alte Englischlehrer Ascher Sadmehr, wurden zu jeweils 13 Jahren Gefängnis verurteilt. Tefilin wurden Mitgliedschaft in einer illegalen Vereinigung und Zusammenarbeit mit Israel vorgeworfen. Sadmehr war ebenfalls der Zusammenarbeit mit Israel sowie der Organisation eines Spionagerings angeklagt. Die Gruppe habe Sabotageakte geplant und die Trinkwasserversorgung von Schiras vergiften wollen, machte die Staatsanwaltschaft geltend.
Israel bestritt die Spionagevorwürfe und zweifelte ebenso wie Menschenrechtsgruppen die Fairness des Verfahrens an, bei dem der Richter auch als Staatsanwalt auftrat und zu dem internationale Beobachter nicht zugelassen waren. Nach monatelanger Haft hatten sich acht Angeklagte schuldig bekannt, vier hatten sich für unschuldig erklärt, und einer hatte zugegeben, Informationen weitergeleitet zu haben. Die Verteidiger erklärten, sie hätten vor den Geständnissen keine Möglichkeit gehabt, mit ihren Mandanten zu sprechen.
Der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Awiw Schiron, erklärte, Iran dürfe nicht als Mitglied der internationalen Gemeinschaft akzeptiert werden, so lange unschuldige jüdische Gefangene in den Gefängnissen verfaulten. Ministerpräsident Ehud Barak forderte die internationale Gemeinschaft auf, Iran zur Freilassung der Verurteilten zu drängen. US-Präsident Bill Clinton äußerte sich besorgt und enttäuscht über die Strafen und kritisierte das Rechtssystem Irans. Der französische Außenminister Hubert Vedrine sagte, die EU hoffe auf eine Überprüfung des Urteils durch das Berufungsgericht.
Der Leiter des Amerikanisch Jüdischen Komitees, David A. Harris, sprach von einem Schauprozess und einer Tragödie für die zehn Verurteilten und ihre Angehörigen. Der Dekan des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Los Angeles, Rabbi Marvin Hier, erklärte, der iranische Präsident Mohammad Chatami müsse nach dem Urteil bei Auslandsreisen mit Protesten rechnen.
Die Verhaftung der Juden im März vergangenen Jahres war international scharf kritisiert worden; der Prozess begann im April. Vor der Islamischen Revolution von 1979 lebten in Iran etwa 80.000 Juden. Bis heute sind rund 25.000 im Land geblieben. Der Staat gewährt ihnen zwar Religionsfreiheit, hat aber ihre Reisefreiheit eingeschränkt und Kontakte nach Israel verboten.
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