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Milosevic-Prozess: Soldat gibt Verbrechen zu: Zeuge bekennt Teilnahme an Massaker

zuletzt aktualisiert: 06.09.2002 - 12:39

Den Haag (rpo). Erstmals hat ein Soldat der jugoslawischen Armee zugegeben, an einem Massaker an Zivilisten im Kosovo beteiligt gewesen zu sein. Der Soldat sagte als Zeuge "K 41" im Prozess gegen den früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic aus.

Vor dem Kriegsverbrechertribunal machte der Zeuge der Anklage seine Aussage über eine Videoverbindung zum Gerichtssaal in Den Haag. Die Personalien des etwa 23 Jahre alten Mannes wurden nicht bekannt gegeben, und sein Gesicht war in der Übertragung unkenntlich gemacht worden.

Vor einem Militär-Einsatz gegen ein Dorf von Kosovo-Albanern kurz nach Beginn der NATO-Bombenangriffe habe er deutlich die Anweisung eines Hauptmanns Gavrilovic an die Unterführer gehört: "Niemand darf überleben". Seine Einheit habe das Dorf mit einer Kanone beschossen, Häuser durchkämmt und in Brand gesetzt und 15 unbewaffnete Zivilisten in einem Bauernhof zusammengetrieben, schilderte er. Die Frauen, Kinder und älteren Männer hätten jede Verbindung zur so genannten Kosovo-Befreiungsarmee (UCK) lebhaft bestritten.

Dennoch habe sein Feldwebel ihm und etwa zehn anderen Soldaten befohlen, die Leute auf der Stelle zu erschießen. Dies hätten sie getan, räumte der Zeuge ein. Auf die Frage des Anklägers, ob er auch geschossen habe, antwortete der Zeuge :"Ja". Die Getroffenen seien unter den Schüssen übereinandergefallen. "Ich erinnere mich noch lebhaft des Babys. Es wurde von drei Kugeln getroffen und schrie unglaublich laut", sagte der Zeuge wörtlich. Der Gerichtsvorsitzende hatte den Zeugen zuvor noch darauf hingewiesen, dass er die Aussage verweigern könne, wenn er sich damit selbst belaste.

Mit seinen Angaben wurden erstmals Darstellungen von Opfern über das blutige Auftreten serbischer Streitkräfte gegen unbewaffnete Zivilisten im Kosovokrieg gestützt. Bisher haben im Prozess stets Überlebende als Zeugen der Anklage ausgesagt.

Quelle: RPO Archiv

 
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